Zum Inhalt springen
Praxis im Chalet
← Lexikon der Gesundheit

Gesundheit

Herzinfarkt bei Frauen: Warum die Warnzeichen oft anders sind

Dr. med. Kathrin Hamann11. Juni 2026 2 Min. Lesezeit

Frau mittleren Alters fasst sich an Brust und oberen Rücken, Herz mit Herzkranzgefäßen in einem Kreis, Smartphone

Der Herzinfarkt gilt vielen noch als Männerkrankheit. Doch Frauen trifft er ebenso – nur oft anders: Die Warnzeichen sind weniger eindeutig, werden später erkannt und später behandelt. Dieser Artikel soll das ändern, zumindest für Sie und Ihre Familie.

Die klassischen Zeichen – auch bei Frauen

Druck, Engegefühl oder Brennen hinter dem Brustbein, das länger als fünf Minuten anhält, Ausstrahlung in Arm, Schulter, Kiefer oder Rücken, kalter Schweiß: Diese Zeichen kennen die meisten. Sie kommen auch bei Frauen vor.

Was bei Frauen häufiger ist

Zusätzlich oder anstelle des Brustschmerzes berichten Frauen häufiger über:

  • Atemnot, oft ohne Belastung
  • Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch
  • Rückenschmerzen zwischen den Schulterblättern
  • ungewöhnliche Erschöpfung, manchmal schon Tage vorher
  • Schlafstörungen und innere Unruhe in den Tagen davor

Diese Beschwerden werden leicht als Magenverstimmung, Verspannung oder Stress gedeutet – von den Betroffenen selbst und manchmal auch von Ärzten. Das kostet Zeit. Und beim Herzinfarkt entscheidet die Zeit darüber, wie viel Herzmuskel überlebt.

Warum Frauen später den Notruf wählen

Viele Frauen wollen niemanden belästigen, warten ab, ob es von allein besser wird, oder kümmern sich erst um Familie und Arbeit. Im Zweifel gilt: Rufen Sie die 112. Fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus, legen Sie sich nicht hin, um abzuwarten. Ein Fehlalarm ist kein Problem. Ein übersehener Infarkt schon.

Besondere Risiken bei Frauen

Nach den Wechseljahren steigt das Risiko deutlich, weil der Schutz durch das Hormon Östrogen wegfällt. Dazu kommen die bekannten Faktoren: Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Übergewicht, Bewegungsmangel – und Rauchen, besonders in Kombination mit der Pille. Auch Komplikationen in einer Schwangerschaft, etwa eine Präeklampsie oder ein Schwangerschaftsdiabetes, sind ein Hinweis auf ein später erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Wenn das auf Sie zutrifft, sagen Sie es uns – auch wenn die Schwangerschaft lange zurückliegt.

Vorsorge in unserer Praxis

Wir messen den Blutdruck, bestimmen Blutfette und Blutzucker und besprechen mit Ihnen Rauchstopp, Bewegung und Gewicht. Mit dem Ultraschall der Halsschlagadern sehen wir, ob sich bereits Ablagerungen in den Gefäßwänden gebildet haben. Das Ruhe-EKG gehört bei Beschwerden dazu; ein Belastungs-EKG führt die kardiologische Praxis durch, zu der wir Sie bei Bedarf überweisen. Viele Frauen nutzen den Check-up ab 35 als festen Anlass, diese Werte prüfen zu lassen.

Zusammenfassung

Herzinfarkt ist keine Männersache. Atemnot, Übelkeit, Rückenschmerz und plötzliche Erschöpfung können bei Frauen die Hauptzeichen sein. Nehmen Sie sie ernst, rufen Sie im Zweifel die 112 – und kümmern Sie sich vorher um Ihre Risikofaktoren. Wir helfen Ihnen dabei.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

Mein Doktor online Route