Laborwerte
Laborwerte erklärt – TSH und die Schilddrüse
Dr. med. Kathrin Hamann18. September 2025 2 Min. Lesezeit

Müde, verfroren, ein paar Kilo mehr – oder im Gegenteil nervös, Herzrasen, Gewicht weg ohne Diät? Bei solchen Beschwerden schauen wir uns als Erstes die Schilddrüse an. Der wichtigste Wert dafür heißt TSH. In unserer Reihe „Laborwerte erklärt“ erfahren Sie heute, was dieser Wert aussagt, warum er beim Lesen des Befunds oft verwirrt und wann weitere Untersuchungen folgen.
Was TSH ist
TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon. Es wird nicht in der Schilddrüse gebildet, sondern in der Hirnanhangdrüse. Es gibt der Schilddrüse den Auftrag, Hormone zu produzieren. Arbeitet die Schilddrüse zu wenig, schickt die Hirnanhangdrüse mehr TSH – der Wert steigt. Arbeitet sie zu viel, drosselt die Hirnanhangdrüse das TSH – der Wert sinkt. Der TSH-Wert reagiert also umgekehrt zur Schilddrüsenleistung.
Der Referenzbereich liegt je nach Labor etwa zwischen 0,4 und 4,0 mU/l.
Hohes TSH: die Unterfunktion
Ist der TSH-Wert erhöht, produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme, trockene Haut, Haarausfall, Verstopfung, langsamer Puls und eine gedrückte Stimmung. Die häufigste Ursache ist eine Entzündung der Schilddrüse durch das eigene Immunsystem, die Hashimoto-Thyreoiditis.
Niedriges TSH: die Überfunktion
Ein zu niedriger TSH-Wert bedeutet, dass zu viele Schilddrüsenhormone im Blut sind. Betroffene berichten über Nervosität, Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Schlafstörungen, Durchfall und Gewichtsabnahme. Ursachen sind selbstständig arbeitende Knoten in der Schilddrüse oder die Basedow-Krankheit, ebenfalls eine Autoimmunerkrankung.
Was nach einem auffälligen TSH passiert
Ein einzelner Wert ist noch keine Diagnose. Wir bestimmen dann die eigentlichen Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 und bei Bedarf Antikörper, die auf Hashimoto oder Basedow hinweisen. Dazu kommt der Ultraschall der Schilddrüse direkt bei uns in der Praxis. Er zeigt die Größe der Schilddrüse, Knoten und die Struktur des Gewebes.
Leicht erhöhte TSH-Werte ohne Beschwerden und mit normalen Hormonen beobachten wir oft nur und kontrollieren nach einigen Monaten. Nicht jede Abweichung muss behandelt werden.
Die Behandlung
Eine Unterfunktion wird mit dem Hormon L-Thyroxin ausgeglichen. Es wird morgens nüchtern eingenommen, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück, und zwar jeden Tag. Nach sechs bis acht Wochen kontrollieren wir den TSH-Wert und passen die Dosis an. Später reichen Kontrollen alle sechs bis zwölf Monate. Eine Überfunktion behandeln wir je nach Ursache mit Medikamenten, die die Hormonbildung bremsen, oder wir überweisen Sie zur Nuklearmedizin.
Wenn Sie sich seit Wochen abgeschlagen fühlen, lesen Sie auch unseren Beitrag Energielos und müde? – die Schilddrüse ist dort eine von mehreren Ursachen, die wir abklären. Weitere Blutwerte erklären wir in der Übersicht über Laborwerte.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann