Gesundheit
Prostatavorsorge: Was Männer wissen sollten
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Über die Prostata sprechen viele Männer nicht gern. Dabei lohnt es sich, Fragen frühzeitig zu klären – auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Prostatakrebs wächst häufig langsam, kann aber auch aggressiv verlaufen. Die Früherkennung soll gefährliche Erkrankungen rechtzeitig entdecken, kann jedoch auch unnötige Untersuchungen und Behandlungen auslösen.
Die Prostata und Ihr persönliches Risiko
Die Prostata heißt auch Vorsteherdrüse. Sie liegt unterhalb der Blase, umschließt einen Teil der Harnröhre und bildet einen Bestandteil der Samenflüssigkeit. Mit zunehmendem Alter wird sie häufig gutartig größer. Das ist kein Krebs und auch keine Vorstufe davon.
Das Risiko für Prostatakrebs steigt mit dem Alter. Eine familiäre Belastung ist ebenfalls wichtig: Sind Vater oder Bruder erkrankt, besonders in jüngeren Jahren, sollten Sie das ansprechen. Auch bestimmte vererbte Genveränderungen können das Risiko erhöhen.
Ab etwa 45 Jahren ist ein Gespräch über Früherkennung sinnvoll, bei erhöhtem familiärem Risiko gegebenenfalls früher. Entscheidend sind auch Ihr allgemeiner Gesundheitszustand und Ihre Lebenserwartung. Ein möglicher Nutzen zeigt sich meist erst nach vielen Jahren.
Welche Beschwerden auftreten können
Früher Prostatakrebs macht meist keine Beschwerden. Probleme beim Wasserlassen haben dagegen häufig eine gutartige Vergrößerung als Ursache. Abklären lassen sollten Sie:
- einen schwachen oder unterbrochenen Harnstrahl
- häufigen Harndrang, besonders nachts
- das Gefühl, die Blase nicht vollständig zu entleeren
- Blut im Urin oder wiederholt Blut in der Samenflüssigkeit
- anhaltende Schmerzen im Becken oder Rücken ohne erkennbare Ursache
Diese Zeichen bedeuten nicht automatisch Krebs. Sie sind aber ein Grund für eine Untersuchung – unabhängig vom Alter und vom letzten Vorsorgetermin.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Wenn Sie trotz voller, schmerzender Blase keinen Urin mehr lassen können, brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe. Das gilt auch bei Fieber und Schüttelfrost zusammen mit schmerzhaftem Wasserlassen. Außerhalb der regulären Versorgung erreichen Sie bei dringlichen, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Bei Kreislaufzusammenbruch, schwerer Verwirrtheit oder plötzlich auftretenden Lähmungen wählen Sie 112. Zur Orientierung hilft unser Artikel 112, 116117 oder Praxis? Wer wann für Sie da ist.
Was Früherkennungsuntersuchungen leisten
Die gesetzliche Krebsfrüherkennung für Männer umfasst ab 45 Jahren unter anderem eine jährliche Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm. Damit lassen sich manche Veränderungen bemerken. Frühe Tumoren werden jedoch häufig nicht ertastet. Als alleinige Untersuchung zur Früherkennung ist sie deshalb nicht ausreichend und wird von der aktuellen Leitlinie hierfür nicht empfohlen.
Der PSA-Test misst ein Eiweiß aus der Prostata im Blut. Ein erhöhter Wert kann auf Krebs hinweisen, aber auch durch eine gutartige Vergrößerung oder Entzündung entstehen. Ein niedriger Wert schließt Krebs nicht sicher aus.
Vor dem Test sollten Sie Nutzen und Nachteile kennen:
- Eine PSA-basierte Früherkennung kann das Risiko senken, an Prostatakrebs zu sterben.
- Auffällige Werte können Sorgen und weitere Untersuchungen auslösen, obwohl kein Krebs vorliegt.
- Es werden auch Tumoren entdeckt, die lebenslang keine Beschwerden verursacht hätten. Eine unnötige Behandlung kann unter anderem Inkontinenz oder Erektionsprobleme verursachen.
Ein einzelner erhöhter PSA-Wert ist noch keine Krebsdiagnose. Häufig wird er zunächst kontrolliert. Je nach Befund folgen in der Urologie weitere Schritte, etwa eine Magnetresonanztomografie und gegebenenfalls eine Gewebeprobe. Nicht jeder entdeckte Tumor muss sofort behandelt werden; bei niedrigem Risiko kommt eine engmaschige aktive Überwachung infrage.
Was wir in der Praxis tun
Wir besprechen Ihre Beschwerden, familiäre Risiken und bisherigen Befunde. Gemeinsam klären wir, ob Sie eine PSA-Untersuchung wünschen und ob sie medizinisch sinnvoll ist. Nach entsprechender Beratung ist eine Blutabnahme möglich. Die Abstände weiterer Kontrollen richten sich nach Ausgangswert und persönlichem Risiko – nicht automatisch nach einem jährlichen Rhythmus.
Bei auffälligen Befunden oder anhaltenden Beschwerden überweisen wir Sie zur urologischen Abklärung.
Was Sie selbst tun können
- Notieren Sie Veränderungen beim Wasserlassen und bringen Sie frühere PSA-Befunde mit.
- Fragen Sie nach Prostatakrebs in Ihrer Familie.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, vermeiden Sie Übergewicht und rauchen Sie nicht. Das unterstützt Ihre allgemeine Gesundheit, ersetzt aber keine Abklärung.
- Verlassen Sie sich nicht auf Nahrungsergänzungsmittel zur Krebsvorbeugung. Ein verlässlicher Schutz ist nicht belegt.
Zusammenfassung
Prostatavorsorge ist eine persönliche Entscheidung auf Grundlage guter Informationen. Der PSA-Test kann helfen, hat aber auch Nachteile. Wir unterstützen Sie dabei, Ihr Risiko einzuschätzen und einen passenden Weg zu finden.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.