Gesundheit
Thrombose: Ein geschwollenes Bein erkennen und richtig handeln
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 4 Min. Lesezeit

Ein Bein ist plötzlich dicker als das andere, die Wade spannt oder schmerzt beim Gehen. Das kann verschiedene Ursachen haben – eine davon ist eine Thrombose, also ein Blutgerinnsel in einem Gefäß. Eine tiefe Beinvenenthrombose sollte rasch abgeklärt werden, denn das Gerinnsel kann sich lösen und in die Lunge gelangen. Mit einer rechtzeitigen Behandlung lassen sich schwere Folgen meist verhindern.
Wie eine Thrombose entsteht
Die Venen bringen das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen. Dabei hilft die Beinmuskulatur wie eine Pumpe. Fließt das Blut zu langsam, ist die Gefäßwand geschädigt oder gerinnt das Blut leichter als gewöhnlich, kann sich ein Gerinnsel bilden. Es behindert den Blutfluss, sodass sich Blut im Bein staut.
Ein erhöhtes Risiko besteht unter anderem bei:
- längerer Bettlägerigkeit, einem Gipsbein oder wenig Bewegung nach einer Operation
- längeren Reisen mit stundenlangem Sitzen, besonders bei zusätzlichen Risikofaktoren
- einer früheren Thrombose oder einer erblichen Gerinnungsstörung
- Krebserkrankungen
- Schwangerschaft und Wochenbett
- bestimmten Hormonpräparaten, etwa östrogenhaltigen Verhütungsmitteln oder einer Hormontherapie
- höherem Alter und starkem Übergewicht
Manchmal entsteht eine Thrombose auch ohne erkennbaren Auslöser. Fehlende Risikofaktoren sind deshalb keine sichere Entwarnung.
Welche Beschwerden verdächtig sind
Typisch ist, dass nur ein Bein betroffen ist. Die Beschwerden können innerhalb von Stunden oder Tagen entstehen:
- eine neue Schwellung an Wade, Knöchel oder am ganzen Bein
- Spannungsgefühl, Schwere oder Schmerzen, manchmal wie bei einem Muskelkater
- wärmere Haut, Rötung oder eine bläuliche Verfärbung
- deutlicher sichtbare oberflächliche Venen
Nicht alle Zeichen müssen gleichzeitig auftreten. Eine Thrombose kann auch wenig Schmerzen verursachen. Durch Drücken auf die Wade oder bestimmte Fußbewegungen lässt sie sich weder sicher erkennen noch ausschließen.
Sind beide Beine schon länger geschwollen, kommen häufig andere Ursachen infrage. Dazu lesen Sie mehr unter Geschwollene Beine und Knöchel – Was ist da los?. Neue oder zunehmende Beschwerden sollten dennoch untersucht werden.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Lassen Sie ein neu einseitig geschwollenes oder schmerzendes Bein noch am selben Tag ärztlich abklären. Warten Sie nicht darauf, dass alle typischen Zeichen auftreten. Außerhalb der Erreichbarkeit Ihrer Praxis hilft bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Rufen Sie sofort 112, wenn plötzlich Atemnot, Brustschmerzen, blutiger Husten, eine Ohnmacht oder ein Kreislaufzusammenbruch hinzukommen. Das können Zeichen einer Lungenembolie sein: Ein Gerinnsel verstopft dabei ein Blutgefäß in der Lunge. Fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus. Auch ein massiv geschwollenes, stark schmerzendes und blau verfärbtes Bein ist ein Notfall.
Was wir in der Praxis tun
Wir fragen nach Beginn und Verlauf Ihrer Beschwerden, früheren Thrombosen, Operationen, Medikamenten und weiteren Risikofaktoren. Anschließend untersuchen wir die Beine und beurteilen, wie wahrscheinlich eine Thrombose ist.
Bei geringer Wahrscheinlichkeit kann eine Blutuntersuchung auf sogenannte D-Dimere helfen, eine Thrombose auszuschließen. Das sind Abbauprodukte der Blutgerinnung. Ein erhöhter Wert beweist jedoch keine Thrombose: Auch Alter, Entzündungen oder eine kürzlich erfolgte Operation können ihn erhöhen.
Bei begründetem Verdacht veranlassen wir kurzfristig eine spezielle Ultraschalluntersuchung der Beinvenen in einer entsprechend ausgestatteten Fachpraxis oder Klinik. Diese Untersuchung führen wir nicht in unserer Praxis durch. Bei hoher Wahrscheinlichkeit darf die notwendige Abklärung nicht durch das Warten auf Laborwerte verzögert werden.
Eine bestätigte Thrombose wird meist mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt. Sie verhindern, dass das Gerinnsel weiterwächst oder neue Gerinnsel entstehen. Die Behandlung dauert häufig mindestens drei Monate, je nach Ursache und persönlichem Risiko auch länger. Eine passende Kompression kann Schwellung und Schmerzen lindern.
Was Sie selbst tun können
- Bei Verdacht: Organisieren Sie rasch ärztliche Hilfe. Massieren Sie das Bein nicht und verzichten Sie zunächst auf Sport oder starke Belastung.
- Nehmen Sie nicht eigenständig Aspirin oder übrig gebliebene Gerinnungshemmer ein. Aspirin ist kein Ersatz für eine Thrombosebehandlung.
- Nach gesicherter Diagnose: Bewegung ist unter wirksamer Behandlung meist sinnvoll; strikte Bettruhe ist normalerweise nicht nötig. Stimmen Sie Belastung und Kompression mit dem behandelnden Team ab.
- Zur Vorbeugung: Unterbrechen Sie langes Sitzen, bewegen Sie regelmäßig die Füße und gehen Sie zwischendurch einige Schritte.
- Bei erhöhtem Risiko: Besprechen Sie vor Operationen oder langen Reisen, ob zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig sind.
Zusammenfassung
Ein neu geschwollenes, schmerzendes Bein gehört noch am selben Tag ärztlich abgeklärt. Bei Atemnot oder Brustschmerzen gilt: sofort 112. Eine früh erkannte Thrombose ist gut behandelbar – verlassen Sie sich nicht auf Selbsttests oder Abwarten.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.