Gesundheit
Vitamin D im Winter: Mangel erkennen und sinnvoll ergänzen
Dr. med. Kathrin Hamann9. Januar 2025 3 Min. Lesezeit

Von Oktober bis März steht die Sonne in Deutschland so tief, dass die Haut kaum noch Vitamin D bilden kann. Viele Menschen fragen uns in dieser Zeit, ob sie Vitamin D einnehmen sollten – und ob ein Bluttest sinnvoll ist. Beides lässt sich gut beantworten, wenn man weiß, wofür der Körper Vitamin D braucht und wer tatsächlich zu wenig davon hat.
Wofür der Körper Vitamin D braucht
Vitamin D ist streng genommen ein Hormon. Der Körper stellt es selbst her, sobald Sonnenlicht auf die Haut trifft. Es sorgt dafür, dass Kalzium aus dem Darm aufgenommen und in die Knochen eingebaut wird. Außerdem spielt es eine Rolle für Muskeln und Immunsystem. Über die Nahrung nehmen wir nur wenig auf – etwas über fetten Seefisch, Eier und Pilze.
Warum es im Winter knapp wird
Zwischen April und September reichen in der Regel 15 bis 25 Minuten Sonne auf Gesicht, Arme und Hände an mehreren Tagen pro Woche aus. Im Winter funktioniert das nicht: Der Einfallswinkel der Sonne ist zu flach, die Haut ist bedeckt, und viele Menschen verbringen den Tag in geschlossenen Räumen. Der Körper lebt dann von seinem Speicher aus dem Sommer. Bei manchen reicht er bis zum Frühjahr, bei anderen nicht.
Woran Sie einen Mangel bemerken – und woran nicht
Ein leichter Mangel macht meist keine Beschwerden. Bei einem ausgeprägten Mangel können Müdigkeit, Muskelschwäche, Knochenschmerzen und eine erhöhte Infektanfälligkeit auftreten. Diese Beschwerden haben allerdings viele andere mögliche Ursachen. Müdigkeit im Winter ist deshalb kein Beweis für einen Vitamin-D-Mangel – aber ein Grund, einmal genauer hinzusehen.
Wann ein Bluttest sinnvoll ist
Gemessen wird das 25-OH-Vitamin-D im Blut. Als Mangel gelten Werte unter 30 nmol/l (12 ng/ml), als ausreichend Werte ab 50 nmol/l (20 ng/ml). Bei einem begründeten Verdacht – zum Beispiel bei Osteoporose, bestimmten Darm- oder Nierenerkrankungen oder nach einem Knochenbruch ohne großen Sturz – übernimmt die Krankenkasse den Test. Wer ohne Beschwerden einfach wissen möchte, wo er steht, kann den Wert bei uns als Wunschleistung bestimmen lassen. Wir nennen Ihnen den Preis vorab.
Wer ergänzen sollte
Für einige Gruppen ist eine Ergänzung in moderater Dosis im Winter sinnvoll, auch ohne vorherige Messung:
- Menschen über 65, weil die Haut im Alter weniger Vitamin D bildet
- Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen und Menschen, die selten ins Freie kommen
- Menschen mit dunkler Haut oder bedeckender Kleidung
- Patientinnen und Patienten mit Osteoporose oder bekanntem Mangel
Üblich sind 800 bis 1.000 Internationale Einheiten (I.E.) täglich. Das ist sicher und reicht in den meisten Fällen aus.
Warum „viel hilft viel" hier nicht gilt
Hochdosierte Präparate mit 10.000 oder 20.000 I.E. gehören nicht in die Selbstmedikation. Vitamin D ist fettlöslich und wird im Körper gespeichert. Wird über längere Zeit zu viel eingenommen, steigt das Kalzium im Blut – mit Übelkeit, Verwirrtheit und Nierenschäden als möglichen Folgen. Hohe Dosen sind nur nach Blutwert und in Absprache mit uns sinnvoll.
Zusammenfassung
Im Winter haben viele Menschen niedrigere Vitamin-D-Werte, ein echter Mangel ist seltener. Wer zu einer Risikogruppe gehört, kann eine moderate Dosis einnehmen. Bei Beschwerden oder Unsicherheit messen wir den Wert – als Kassenleistung bei medizinischem Grund oder als Wunschleistung, zum Beispiel im Rahmen des Gesundheits-Check-ups.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann