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Gesundheit

Zöliakie und Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Was steckt dahinter?

Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Eine Ärztin bespricht mit einer älteren Patientin Lebensmittel und Darmbeschwerden, ergänzt durch Detailansichten von Darmzotten und Getreide.

Nach dem Essen rumort der Bauch, die Hose spannt oder der Weg führt direkt zur Toilette. Viele Menschen vermuten dann eine Unverträglichkeit und lassen vorsichtshalber Lebensmittel weg. Doch nicht immer ist das Essen selbst die Ursache. Eine gezielte Abklärung hilft, unnötige Einschränkungen zu vermeiden und Erkrankungen wie Zöliakie zu erkennen.

Zöliakie, Unverträglichkeit oder Allergie?

Diese Begriffe werden oft verwechselt. Dahinter stecken aber unterschiedliche Vorgänge:

  • Zöliakie: Das Abwehrsystem reagiert auf Gluten, ein Klebereiweiß in Weizen, Roggen, Gerste und verwandten Getreidesorten wie Dinkel. Dabei wird die Schleimhaut des Dünndarms geschädigt. Nährstoffe werden schlechter aufgenommen. Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, keine Allergie, und kann auch im höheren Alter erstmals auffallen.
  • Laktoseintoleranz: Der Darm bildet zu wenig Laktase. Dieses Enzym spaltet Milchzucker. Nicht ausreichend verdauter Milchzucker kann Blähungen und Durchfall auslösen. Kleine Mengen werden oft vertragen.
  • Fruktosemalabsorption: Fruchtzucker wird im Dünndarm nur begrenzt aufgenommen. Beschwerden hängen häufig von der Menge ab, etwa bei Säften oder großen Obstportionen.
  • Nahrungsmittelallergie: Das Abwehrsystem reagiert auf bestimmte Eiweiße, beispielsweise in Nüssen oder Milch. Schon kleine Mengen können Beschwerden auslösen, manchmal auch gefährliche Reaktionen.

Auch ein Reizdarm, Medikamente oder andere Darmerkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen. Beschwerden nach Weizen bedeuten deshalb nicht automatisch Zöliakie. Eine sogenannte Weizensensitivität kommt erst infrage, wenn unter anderem Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen wurden.

Welche Beschwerden auftreten können

Typisch sind Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Übelkeit. Manche Menschen haben eher Verstopfung. Entscheidend ist, wann die Beschwerden auftreten, wie lange sie anhalten und ob bestimmte Mengen eine Rolle spielen.

Zöliakie kann sich auch ohne deutliche Darmbeschwerden zeigen. Mögliche Hinweise sind ungewollter Gewichtsverlust, Eisenmangel, anhaltende Müdigkeit oder brüchige Knochen. Mehr zum Eisenmangel lesen Sie unter Laborwerte erklärt – Eisen. Haben nahe Angehörige Zöliakie, sprechen Sie uns auch bei milden Beschwerden darauf an.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Rufen Sie 112, wenn nach dem Essen Atemnot, eine Schwellung von Zunge oder Rachen, starke Kreislaufprobleme oder Bewusstlosigkeit auftreten. Das kann eine schwere allergische Reaktion sein. Falls Ihnen ein Adrenalin-Notfallpen verordnet wurde, wenden Sie ihn entsprechend Ihrem Notfallplan an.

Blut im Stuhl, starke oder zunehmende Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen oder deutliche Austrocknung müssen rasch ärztlich abgeklärt werden. Bei Kreislaufzusammenbruch oder sehr starken Beschwerden wählen Sie ebenfalls 112. Bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Praxis-Erreichbarkeit hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Wiederkehrende nächtliche Beschwerden und ungewollten Gewichtsverlust sollten Sie zeitnah untersuchen lassen.

Was wir in der Praxis tun

Wir besprechen Ihre Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente und Essgewohnheiten. Danach folgen eine körperliche Untersuchung und je nach Verdacht gezielte Laboruntersuchungen. Dabei können beispielsweise Blutarmut oder Nährstoffmängel auffallen.

Wichtig: Essen Sie vor einer Zöliakie-Abklärung weiterhin glutenhaltig. Eine bereits begonnene glutenfreie Ernährung kann Bluttests und Gewebeproben unauffällig erscheinen lassen. Haben Sie Gluten schon weggelassen, besprechen Sie das weitere Vorgehen bitte mit uns, statt selbst einen Belastungsversuch zu starten.

Bei Verdacht untersuchen wir im Blut bestimmte Antikörper und das Gesamt-IgA, einen Bestandteil der Immunabwehr. Zur Sicherung der Diagnose ist bei Erwachsenen meist eine Magenspiegelung mit kleinen Gewebeproben aus dem Dünndarm nötig. Dafür überweisen wir in eine gastroenterologische Fachpraxis. Bei passendem Verdacht können dort auch Atemtests auf Laktose- oder Fruktoseverwertungsstörungen erfolgen. Allergietests werden gezielt eingesetzt. Breite IgG-Tests auf Lebensmittel sind zur Diagnose von Unverträglichkeiten nicht geeignet.

Was Sie selbst tun können

  • Führen Sie für ein bis zwei Wochen ein Ess- und Beschwerdetagebuch. Notieren Sie Lebensmittel, Mengen, Zeitpunkt und Beschwerden.
  • Streichen Sie nicht auf eigene Faust viele Lebensmittelgruppen. Gerade im höheren Alter drohen sonst Gewichtsverlust und Nährstoffmangel.
  • Bei bestätigter Zöliakie ist eine lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung nötig, auch ohne Beschwerden. Ernährungsberatung hilft beim Einkauf und beim Vermeiden von Gluten-Spuren, etwa durch gemeinsam genutzte Toaster.
  • Bei Laktose- oder Fruktoseproblemen reicht häufig eine individuell angepasste Menge. Ein dauerhafter vollständiger Verzicht ist meist nicht nötig.

Zusammenfassung

Nicht jedes Bauchgrummeln ist eine Unverträglichkeit. Zöliakie, Verdauungsprobleme und Allergien brauchen unterschiedliche Behandlungen. Lassen Sie anhaltende Beschwerden gezielt abklären – und verzichten Sie vor einer Zöliakie-Untersuchung nicht vorschnell auf Gluten.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

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