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Gesundheit

Antibiotika: Warum sie bei Erkältungen meist nicht helfen

Dr. med. Kathrin Hamann20. November 2025 2 Min. Lesezeit

Durchgestrichene Antibiotikakapsel neben Viren, Kräutertee und Taschentücher

„Können Sie mir nicht ein Antibiotikum aufschreiben, damit es schneller geht?" Diese Frage hören wir in jeder Erkältungssaison. Die Antwort ist in den meisten Fällen: Nein – und zwar nicht aus Sparsamkeit, sondern weil das Medikament nicht wirken würde. In diesem Beitrag erklären wir, warum Antibiotika bei Erkältungen fast nie helfen, wann sie tatsächlich nötig sind und warum ein sparsamer Umgang uns allen nützt.

Viren oder Bakterien?

Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien. Erkältungen, Grippe, die meisten Halsentzündungen, die akute Bronchitis und die allermeisten Nebenhöhlenentzündungen werden aber durch Viren ausgelöst. Gegen Viren richtet ein Antibiotikum nichts aus. Der Infekt dauert mit Antibiotikum genauso lange wie ohne.

Ein hartnäckiger Irrtum: Gelber oder grüner Schleim bedeute, dass Bakterien im Spiel sind. Das stimmt nicht. Die Farbe entsteht durch Abwehrzellen, die den Infekt bekämpfen – bei Viren genauso wie bei Bakterien.

Was ein unnötiges Antibiotikum anrichtet

  • Nebenwirkungen: Durchfall, Übelkeit, Pilzinfektionen und allergische Reaktionen sind häufig. Das Antibiotikum trifft auch die nützlichen Bakterien im Darm.
  • Resistenzen: Jede Einnahme fördert Bakterien, die gegen das Mittel unempfindlich sind. Diese Keime bleiben – bei Ihnen und in Ihrer Umgebung. Wenn Sie irgendwann wirklich ein Antibiotikum brauchen, wirkt es womöglich nicht mehr.

Wann ein Antibiotikum sinnvoll ist

Es gibt klare Situationen, in denen wir ein Antibiotikum verordnen:

  • eine Streptokokken-Angina, die wir mit einem Schnelltest nachweisen
  • eine Lungenentzündung
  • eine bakterielle Nebenhöhlenentzündung mit Fieber über mehrere Tage und starken Schmerzen
  • ein Harnwegsinfekt
  • Infekte bei Patientinnen und Patienten mit schweren Grunderkrankungen oder geschwächtem Immunsystem

Im Zweifel hilft uns ein CRP-Schnelltest aus dem Finger: Der Entzündungswert gibt einen Hinweis, ob eine bakterielle Infektion wahrscheinlich ist.

Das abwartende Rezept

Manchmal ist die Lage nicht eindeutig. Dann geben wir Ihnen ein Rezept mit und bitten Sie, es nur einzulösen, wenn es Ihnen nach zwei bis drei Tagen nicht besser geht oder Fieber dazukommt. Viele lösen das Rezept nie ein – und werden trotzdem gesund.

Wenn Sie ein Antibiotikum bekommen

  • Nehmen Sie es genau so ein, wie wir es aufgeschrieben haben – Dosis, Abstände, Dauer.
  • Setzen Sie es nicht eigenmächtig ab, nur weil es Ihnen besser geht, und verlängern Sie es nicht auf eigene Faust.
  • Heben Sie Reste nicht für das nächste Mal auf. Entsorgen Sie sie im Hausmüll, nicht in der Toilette.

Was bei einer Erkältung wirklich hilft

Ruhe, Flüssigkeit, Nasenspülungen, bei Bedarf ein Schmerzmittel gegen Kopf- und Gliederschmerzen. Und Geduld: Eine Erkältung dauert sieben bis zehn Tage, ein Husten oft länger. Wie Sie Erkältung und Grippe unterscheiden, lesen Sie in unserem Beitrag dazu.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

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