Gesundheit
Borreliose nach Zeckenbiss: Zecken richtig entfernen
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 4 Min. Lesezeit

Nach einem Spaziergang entdecken Sie eine Zecke am Bein – was nun? Meist bleibt ein Zeckenstich, umgangssprachlich Zeckenbiss genannt, ohne Folgen. Wichtig ist, die Zecke möglichst bald zu entfernen und die Hautstelle anschließend zu beobachten. Eine Borreliose lässt sich früh erkannt in der Regel gut behandeln.
Wie Borreliose entsteht
Borreliose wird durch Bakterien verursacht, sogenannte Borrelien. Manche Zecken tragen diese Erreger in sich und können sie beim Blutsaugen weitergeben. Nicht jede Zecke ist infiziert, und nicht jeder Stich führt zu einer Erkrankung. Je länger eine Zecke saugt, desto höher wird das Übertragungsrisiko. Rasches Entfernen senkt es deutlich.
Zecken sitzen vor allem im Gras, in Büschen und im Unterholz. Sie fallen nicht von Bäumen. Auch im Garten oder Stadtpark können Sie sich eine Zecke einfangen. Bei mildem Wetter sind die Tiere selbst außerhalb der Sommermonate aktiv.
Borreliose ist nicht dasselbe wie FSME. Diese durch Viren verursachte Erkrankung kann Gehirn und Hirnhäute betreffen. Die FSME-Impfung schützt nicht vor Borreliose. Gerade in Bayern ist sie dennoch wichtig – mehr dazu unter FSME und Zecken: Warum die Impfung in Bayern sinnvoll ist.
Zecken richtig entfernen
Warten Sie nicht auf einen Arzttermin, wenn Sie die Zecke selbst gut erreichen können.
- Greifen Sie die Zecke mit einer feinen, möglichst spitzen Pinzette direkt über der Haut am Kopfbereich, nicht am prallen Körper. Eine Zeckenkarte oder ein geeignetes Zeckenwerkzeug ist ebenfalls möglich.
- Ziehen Sie die Zecke langsam und gleichmäßig heraus. Bei einer Zeckenkarte beachten Sie die Anwendungshinweise. Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen und unnötiges Drehen.
- Verwenden Sie vorher weder Öl noch Klebstoff, Nagellack oder andere Hausmittel. Quetschen Sie die Zecke möglichst nicht.
- Reinigen und desinfizieren Sie anschließend die Einstichstelle. Waschen Sie Ihre Hände.
- Notieren Sie das Datum und die Körperstelle. Ein Foto hilft, spätere Veränderungen zu vergleichen.
Bleibt ein kleiner dunkler Rest zurück, handelt es sich meist um Teile des Stechapparats, nicht um einen weiterlebenden Kopf. Graben Sie nicht mit einer Nadel in der Haut. Oft stößt der Körper den Rest von selbst ab. Bei zunehmender Entzündung oder wenn sich die Zecke nicht entfernen lässt, lassen Sie die Stelle ärztlich ansehen.
Auf welche Beschwerden Sie achten sollten
Eine kleine Rötung unmittelbar nach dem Stich ist häufig eine örtliche Hautreaktion. Sie klingt meist innerhalb weniger Tage ab.
Typisch für Borreliose ist dagegen die Wanderröte: Eine Rötung entsteht meist nach einigen Tagen bis Wochen und breitet sich über Tage zunehmend aus. Häufig wird sie größer als fünf Zentimeter. Sie muss weder ringförmig sein noch in der Mitte verblassen und tut oft nicht weh. Lassen Sie eine wachsende Rötung zeitnah untersuchen – warten Sie nicht, bis eine bestimmte Größe erreicht ist.
Weitere mögliche Beschwerden sind:
- Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen
- starke, oft nächtliche Nervenschmerzen oder eine neue Gesichtslähmung
- später deutliche Gelenkschwellungen, besonders am Knie
- selten Herzstolpern, Schwindel oder Ohnmacht bei Beteiligung des Herzens
Eine Borreliose kann auch ohne bemerkte Wanderröte auftreten. Beobachten Sie die Hautstelle etwa sechs Wochen lang und erwähnen Sie den Zeckenstich bei späteren unklaren Beschwerden.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Rufen Sie 112 bei Ohnmacht, schwerer Atemnot, Brustschmerzen oder plötzlich auftretenden Lähmungen beziehungsweise Sprachstörungen. Solche Zeichen können andere akute Ursachen haben und dürfen nicht vorschnell einem Zeckenstich zugeschrieben werden.
Neue starke Nervenschmerzen, eine Gesichtslähmung oder Fieber mit starken Kopfschmerzen sollten noch am selben Tag abgeklärt werden. Bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Praxis-Erreichbarkeit hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117. Bei ausgeprägter Nackensteife, Bewusstseinsstörung oder rascher Verschlechterung wählen Sie 112.
Was wir in der Praxis tun
Wir besprechen den Verlauf und untersuchen die Haut sowie mögliche weitere Beschwerden. Eine typische Wanderröte wird anhand ihres Aussehens erkannt und mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt. Ein Bluttest ist dafür meist nicht nötig und kann früh noch negativ sein.
Ohne Beschwerden ist eine Blutuntersuchung nach einem Zeckenstich nicht sinnvoll. Auch eine Untersuchung der entfernten Zecke wird nicht empfohlen. Vorbeugende Antibiotika nach einem Stich sind in Deutschland normalerweise nicht vorgesehen. Bei Verdacht auf eine Beteiligung von Nerven, Gelenken oder Herz veranlassen wir gezielte Untersuchungen und gegebenenfalls eine fachärztliche Abklärung.
Was Sie vorbeugend selbst tun können
- Tragen Sie bei Ausflügen geschlossene Schuhe und möglichst lange Kleidung.
- Nutzen Sie geeignete zeckenabweisende Mittel nach Gebrauchsanweisung.
- Suchen Sie nach Aufenthalten im Grünen den Körper ab, besonders Kniekehlen, Leisten, Achseln und Haaransatz.
Zusammenfassung
Entfernen Sie Zecken früh und beobachten Sie die Hautstelle. Eine zunehmende Rötung oder neue Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Früh behandelt heilt Borreliose meist gut aus.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.