Gesundheit
Corona, RSV oder Grippe? Die Unterschiede
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 4 Min. Lesezeit

Die Nase läuft, der Hals kratzt, und plötzlich fühlen Sie sich richtig krank. Ist es Corona, die Grippe oder RSV? Die Beschwerden ähneln sich so stark, dass eine sichere Unterscheidung allein danach meist nicht möglich ist. Besonders im höheren Alter und bei Vorerkrankungen lohnt es sich, früh ärztlichen Rat einzuholen.
Drei Viren – ähnliche Ansteckungswege
Alle drei Erkrankungen werden durch Viren ausgelöst. Sie verbreiten sich vor allem über ausgeatmete Teilchen, etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen. Bei RSV spielen auch Hände und verunreinigte Oberflächen eine Rolle.
- Corona: Auslöser ist das Coronavirus SARS-CoV-2. Infektionen kommen ganzjährig vor. Auch nach einer Impfung oder durchgemachten Erkrankung können Sie sich erneut anstecken.
- Grippe: Die echte Grippe heißt Influenza. Sie tritt bei uns vor allem im Winter auf und ist etwas anderes als eine gewöhnliche Erkältung.
- RSV: Das Respiratorische Synzytial-Virus befällt die Atemwege. Es ist nicht nur für Säuglinge bedeutsam. Auch ältere Menschen und Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen können schwer erkranken.
Alle drei Infektionen können eine Lungenentzündung verursachen oder bestehende Erkrankungen verschlechtern. Eine gleichzeitige Ansteckung mit mehreren Erregern ist möglich.
Welche Beschwerden typisch sind
Bei der Grippe beginnt die Erkrankung oft plötzlich: hohes Fieber, trockener Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein starkes Krankheitsgefühl. Gerade ältere Menschen haben allerdings nicht immer Fieber.
Bei Corona sind Halsschmerzen, Schnupfen, Husten, Fieber und Erschöpfung häufig. Manchmal kommen Durchfall oder Veränderungen des Geruchs- und Geschmackssinns hinzu. Diese Veränderungen sind heute seltener als zu Beginn der Pandemie. Beschwerden können auch über die akute Erkrankung hinaus anhalten.
Bei RSV stehen oft Schnupfen und Husten im Vordergrund. Wenn die unteren Atemwege betroffen sind, können pfeifende Atmung und Luftnot hinzukommen. Bei Erwachsenen verläuft RSV häufig wie eine Erkältung, bei gefährdeten Menschen aber mitunter schwer.
Wichtig ist deshalb weniger die Vermutung über den Erreger als die Frage: Wie geht es Ihnen, und verschlechtert sich Ihr Zustand?
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Rufen Sie 112, wenn Sie oder eine erkrankte Person folgende Zeichen zeigen:
- starke Atemnot, besonders in Ruhe
- bläuliche oder graue Lippen
- starke Brustschmerzen oder Druck auf der Brust
- neue ausgeprägte Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder schwere Weckbarkeit
Lassen Sie neu auftretende Luftnot, anhaltend hohes Fieber, deutlich zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder eine Verschlechterung nach anfänglicher Besserung noch am selben Tag ärztlich abklären. Außerhalb der üblichen Praxisversorgung hilft bei dringlichen, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden die 116 117.
Bei höherem Alter, geschwächtem Immunsystem, Schwangerschaft oder chronischen Erkrankungen sollten Sie sich möglichst früh melden. Die Orientierungshilfe 112, 116117 oder Praxis? Wer wann für Sie da ist erklärt die Anlaufstellen genauer.
Was wir in der Praxis tun
Wir fragen nach Beginn und Verlauf der Beschwerden, Ihren Vorerkrankungen und Medikamenten. Bei der Untersuchung achten wir besonders auf Atmung, Kreislauf und Zeichen einer Lungenentzündung. Eine Blutabnahme kann je nach Befund ergänzend sinnvoll sein.
Ein gezielter Erregertest kommt infrage, wenn das Ergebnis die Behandlung beeinflusst. Ein negativer Corona-Schnelltest schließt eine Infektion nicht sicher aus, besonders zu Beginn. Auch Kombinations-Selbsttests auf Corona, Grippe und RSV sind nicht zuverlässig genug, um bei Warnzeichen Entwarnung zu geben.
Bei erhöhtem Risiko können gegen Corona oder Grippe frühzeitig antivirale Medikamente helfen. Sie bremsen die Vermehrung der Viren. Dafür zählt oft schon der erste Krankheitstag; warten Sie mit der Kontaktaufnahme nicht mehrere Tage. Wir prüfen dabei auch mögliche Wechselwirkungen. RSV wird bei Erwachsenen meist durch Linderung der Beschwerden behandelt. Antibiotika helfen gegen diese Viren nicht.
Was Sie selbst tun können
- Bleiben Sie bei einem Atemwegsinfekt möglichst drei bis fünf Tage und bis zur deutlichen Besserung zu Hause.
- Ruhen Sie sich aus. Verzichten Sie bei Fieber und deutlichem Krankheitsgefühl auf Sport.
- Trinken Sie regelmäßig. Bei Herz- oder Nierenschwäche beachten Sie Ihre vereinbarte Trinkmenge.
- Lüften Sie regelmäßig und meiden Sie engen Kontakt zu gefährdeten Menschen. Bei unvermeidbaren Kontakten hilft eine gut sitzende Maske, andere zu schützen.
- Lassen Sie prüfen, welche Impfungen für Sie empfohlen sind. Grippe-, Corona- und RSV-Impfungen haben unterschiedliche Zielgruppen und Auffrischungsregeln. Mehr dazu lesen Sie unter Impfungen ab 60: Pneumokokken, Gürtelrose, RSV.
Zusammenfassung
Corona, RSV und Grippe lassen sich an Beschwerden allein kaum sicher unterscheiden. Achten Sie auf Ihren Allgemeinzustand und holen Sie bei erhöhtem Risiko früh Rat ein. Bei schwerer Atemnot oder Bewusstseinsstörungen gilt: sofort 112.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.