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Gesundheit

Hashimoto: Wenn die Schilddrüse sich selbst angreift

Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Eine Illustration zeigt eine Frau mit markierter Schilddrüse am Hals sowie kreisförmige Detailansichten von Schilddrüsengewebe und einer Blutprobe.

Sie sind häufig müde, frieren schneller und nehmen zu, obwohl Sie nicht anders essen? Manchmal steckt die Schilddrüse dahinter. Bei Hashimoto richtet sich die körpereigene Abwehr gegen dieses kleine Organ am Hals. Die Erkrankung ist meist gut behandelbar – wichtig ist, eine entstehende Unterfunktion zu erkennen.

Was bei Hashimoto passiert

Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfs. Ihre Hormone steuern unter anderem den Stoffwechsel, die Körpertemperatur und den Herzschlag. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis, so der vollständige Name, entzündet sich das Schilddrüsengewebe durch eine fehlgeleitete Abwehrreaktion. Man spricht von einer Autoimmunerkrankung.

Mit der Zeit kann die Schilddrüse dadurch weniger Hormone herstellen. Es entsteht eine Unterfunktion. Das geschieht meist langsam, über Monate oder Jahre. Zu Beginn können vorübergehend auch zu viele gespeicherte Hormone freigesetzt werden.

Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Eine familiäre Veranlagung spielt eine Rolle. Auch andere Autoimmunerkrankungen können gemeinsam mit Hashimoto auftreten. Sie haben die Erkrankung nicht durch falsches Verhalten verursacht.

Welche Beschwerden auftreten können

Hashimoto selbst bleibt oft unbemerkt. Beschwerden entstehen vor allem, wenn Schilddrüsenhormone fehlen:

  • anhaltende Müdigkeit, wenig Antrieb und Konzentrationsprobleme
  • stärkere Kälteempfindlichkeit
  • trockene Haut, brüchige Haare oder Haarausfall
  • Verstopfung und meist mäßige Gewichtszunahme
  • gedrückte Stimmung und Muskelschmerzen
  • unregelmäßige Monatsblutungen oder Schwierigkeiten, schwanger zu werden

Diese Zeichen sind nicht eindeutig. Gerade bei älteren Menschen kann sich eine Unterfunktion nur durch nachlassende Leistungsfähigkeit zeigen. Andere Ursachen müssen deshalb mitbedacht werden. Mehr dazu finden Sie unter Energielos und müde? – Wir fragen nach der Ursache!.

In einer frühen Phase können dagegen Herzklopfen, Schwitzen und innere Unruhe auftreten. Starke Halsschmerzen sind für Hashimoto nicht typisch und sollten gesondert abgeklärt werden.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Hashimoto ist normalerweise kein Notfall. Rufen Sie aber 112, wenn starke Atemnot, Brustschmerzen, Bewusstlosigkeit oder ausgeprägte Verwirrtheit auftreten. Eine schwere, unbehandelte Unterfunktion kann äußerst selten zu deutlicher Unterkühlung und zunehmender Benommenheit führen. Auch dann ist sofortige Hilfe nötig.

Bei neuem, anhaltendem Herzrasen oder einer deutlichen Verschlechterung Ihres Befindens brauchen Sie zeitnah ärztlichen Rat. Außerhalb der regulären Versorgung erreichen Sie bei dringlichen, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Was wir in der Praxis tun

Wir fragen nach Ihren Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten und untersuchen den Hals. Eine Blutabnahme zeigt, ob die Schilddrüse ausreichend Hormone bildet. Besonders wichtig sind der Steuerwert TSH und bei Bedarf das freie Schilddrüsenhormon fT4. Hintergründe erklärt unser Artikel Laborwerte erklärt – TSH und die Schilddrüse.

Bestimmte Antikörper im Blut, meist TPO-Antikörper, können den Verdacht auf Hashimoto stützen. Ein positiver Antikörperwert allein bedeutet aber nicht, dass Sie Medikamente brauchen. Wiederholte Antikörpermessungen sind im Verlauf meist nicht nötig.

Wenn es zur Abklärung sinnvoll ist, untersuchen wir die Schilddrüse mit Ultraschall. Dabei beurteilen wir Größe und Gewebestruktur. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Beschwerden, Untersuchung und Laborwerten.

Bei einer ausgeprägten Unterfunktion ersetzt Levothyroxin das fehlende Hormon. Die Behandlung ist häufig dauerhaft nötig. Bei nur leicht erhöhtem TSH entscheiden wir individuell und kontrollieren zunächst gegebenenfalls erneut. Nach Beginn oder Änderung der Behandlung erfolgt eine Blutkontrolle meist nach etwa sechs bis acht Wochen, später in größeren Abständen. Gerade bei älteren Menschen vermeiden wir eine Überbehandlung, die Herzrhythmusstörungen und Knochenabbau begünstigen kann.

Was Sie selbst tun können

  • Nehmen Sie verordnetes Schilddrüsenhormon regelmäßig mit Wasser und nüchtern ein, üblicherweise mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück. Eisen- und Kalziumpräparate brauchen mehrere Stunden Abstand. Besprechen Sie die Einnahme mit uns.
  • Verzichten Sie auf hoch dosierte Jodpräparate und Algenprodukte. Normale Mengen Jod in Lebensmitteln und Jodsalz müssen Sie meist nicht meiden.
  • Eine besondere Hashimoto-Diät ist nicht erforderlich. Glutenfrei zu essen hilft ohne nachgewiesene Zöliakie nicht nachweislich. Auch Selen oder andere Nahrungsergänzungsmittel sind nicht routinemäßig nötig.
  • Informieren Sie uns früh bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft. Dann sind engere Kontrollen und häufig eine Anpassung der Behandlung wichtig.

Zusammenfassung

Hashimoto kann die Schilddrüse langsam schwächen. Beschwerden und Blutwerte zeigen gemeinsam, ob eine Behandlung nötig ist. Mit passend eingestelltem Hormonersatz und regelmäßigen Kontrollen können die meisten Betroffenen gut leben. Bleiben Beschwerden bestehen, suchen wir auch nach anderen Ursachen.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

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