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Laborwerte

Laborwerte erklärt – Harnsäure und Gicht

Dr. med. Kathrin Hamann6. August 2026 2 Min. Lesezeit

Fuß mit gerötetem, geschwollenem Großzehengelenk in einem Kreis, Harnsäurekristalle, Wasserglas, Gemüseteller und durchgestrichenes Bier

In dieser Reihe „Laborwerte erklärt" geht es heute um die Harnsäure. Viele kennen den Wert aus dem Laborbefund, ohne je Beschwerden gehabt zu haben. Andere lernen ihn kennen, wenn nachts plötzlich der große Zeh glüht: Gicht. Was der Wert bedeutet, wann er zum Problem wird und was Sie selbst tun können, erklären wir hier.

Was ist Harnsäure?

Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen – Bausteinen, die der Körper selbst bildet und die wir mit der Nahrung aufnehmen, vor allem über Fleisch, Innereien und Meeresfrüchte. Die Nieren scheiden sie aus. Steigt die Harnsäure im Blut zu hoch, kann sie Kristalle bilden, die sich in Gelenken ablagern. Als Richtwerte gelten etwa 6 mg/dl bei Frauen und 7 mg/dl bei Männern; die genauen Grenzen hängen vom Labor ab.

Wichtig: Nicht jeder erhöhte Wert bedeutet Gicht. Viele Menschen haben über Jahre erhöhte Werte ohne Beschwerden. Behandelt wird in der Regel erst, wenn Beschwerden auftreten.

Der Gichtanfall

Er kommt plötzlich, meist nachts: Das Großzehengrundgelenk ist rot, heiß, geschwollen und so schmerzhaft, dass schon die Bettdecke stört. Auch Sprunggelenk, Knie oder Finger können betroffen sein. Typische Auslöser sind eine fleischreiche Mahlzeit, Alkohol (besonders Bier), Fasten, Flüssigkeitsmangel und entwässernde Medikamente.

Was beim Anfall hilft

  • das Gelenk ruhigstellen und kühlen
  • entzündungshemmende Schmerzmittel (Ibuprofen, Naproxen) – bei Nieren- oder Magenproblemen bitte vorher mit uns sprechen
  • bei Bedarf Kortison oder Colchicin, das wir verordnen

Kommen Sie zeitnah in die Praxis. Je früher die Behandlung beginnt, desto schneller ist der Anfall vorbei.

Wann eine Dauertherapie sinnvoll ist

Bei wiederholten Anfällen, bei Harnsäureablagerungen unter der Haut (Tophi) oder bei Nierensteinen senken wir die Harnsäure dauerhaft mit Medikamenten – meist Allopurinol, alternativ Febuxostat. Ziel ist ein Wert unter 6 mg/dl. Neu begonnen wird die Therapie nicht während eines Anfalls, sondern danach. Gicht tritt oft gemeinsam mit Bluthochdruck, Diabetes und einer Nierenschwäche auf; deshalb prüfen wir auch die Nierenwerte und die übrigen Risikofaktoren.

Was Sie selbst tun können

  • weniger Fleisch, Innereien und Meeresfrüchte
  • wenig Alkohol, vor allem wenig Bier
  • keine zuckerhaltigen Softdrinks – Fruchtzucker treibt die Harnsäure nach oben
  • Milchprodukte wirken günstig, Kaffee ist unbedenklich
  • viel trinken, am besten Wasser
  • Gewicht langsam reduzieren – strenge Diäten und Fasten können einen Anfall auslösen

Zusammenfassung

Ein erhöhter Harnsäurewert ist zunächst nur ein Hinweis. Mit Ernährung, Trinkmenge und Gewicht lässt sich viel erreichen. Wenn Anfälle auftreten, gibt es wirksame Medikamente – für den akuten Schmerz und für die Vorbeugung. Sprechen Sie uns an, wenn Ihr Wert erhöht ist oder Sie einen Anfall hatten.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

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