Laborwerte
Laborwerte erklärt – Nierenwerte (Kreatinin, eGFR)
Dr. med. Kathrin Hamann19. März 2026 2 Min. Lesezeit

In dieser Reihe „Laborwerte erklärt" geht es heute um die Niere. Sie filtert Tag für Tag rund 180 Liter Blut, hält Salze und Wasser im Gleichgewicht und arbeitet so leise, dass eine Schwäche lange unbemerkt bleibt. Zwei Werte zeigen uns, wie gut sie das schafft: das Kreatinin und die daraus berechnete eGFR.
Kreatinin
Kreatinin entsteht beim Abbau von Muskelgewebe und wird über die Niere ausgeschieden. Filtert die Niere schlechter, steigt der Wert im Blut. Der Haken: Wie viel Kreatinin anfällt, hängt von der Muskelmasse ab. Ein kräftiger junger Mann hat von Natur aus höhere Werte als eine zierliche ältere Frau – bei gleicher Nierenleistung. Deshalb genügt der Blick auf das Kreatinin allein nicht.
eGFR – die berechnete Filterleistung
Aus Kreatinin, Alter und Geschlecht berechnet das Labor die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, kurz eGFR. Sie gibt an, wie viele Milliliter Blut die Nieren pro Minute filtern.
- über 90: normale Filterleistung
- 60 bis 89: leicht eingeschränkt – im höheren Alter häufig und oft ohne Krankheitswert
- unter 60 über mehr als drei Monate: chronische Nierenerkrankung, eingeteilt in Stadien
- unter 30: deutlich eingeschränkt, hier binden wir die Nephrologie ein
Mit dem Alter nimmt die eGFR natürlicherweise ab. Ein Wert von 65 mit 80 Jahren ist etwas anderes als derselbe Wert mit 40.
Der Blick in den Urin
Ein früher Hinweis auf eine Nierenschädigung ist Eiweiß im Urin, genauer Albumin. Wir messen es als Albumin-Kreatinin-Quotient aus einer Urinprobe. Dieser Wert wird oft schon auffällig, wenn Kreatinin und eGFR noch normal sind – vor allem bei Diabetes und Bluthochdruck. Der Urinstreifentest gehört zum Gesundheits-Check-up.
Woher eine Nierenschwäche kommt
Die häufigsten Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck. Beide schädigen über Jahre die feinen Gefäße der Nieren. Dazu kommen Medikamente: Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR – Ibuprofen, Diclofenac –, bestimmte Antibiotika und Kontrastmittel belasten die Niere, vor allem in Kombination und bei Flüssigkeitsmangel.
Vorübergehend oder dauerhaft?
Ein einzelner erhöhter Kreatininwert ist noch keine Diagnose. Wer am Tag der Blutabnahme zu wenig getrunken hat, Durchfall hatte oder kurz zuvor Ibuprofen genommen hat, kann vorübergehend schlechtere Werte haben. Deshalb kontrollieren wir nach zwei bis vier Wochen noch einmal, bevor wir von einer Nierenerkrankung sprechen. Bei Bedarf schauen wir uns die Nieren mit Ultraschall an – Größe, Struktur und ob der Harn abfließt.
Was die Niere schützt
- Blutdruck und Blutzucker gut einstellen – das ist der wirksamste Schutz
- Schmerzmittel sparsam, bei Nierenschwäche möglichst kein Ibuprofen oder Diclofenac
- ausreichend trinken, besonders bei Hitze und Infekten
- nicht rauchen
- Bestimmte Medikamente – ACE-Hemmer, Sartane, SGLT2-Hemmer – schützen die Niere nachweislich. Bei Diabetes oder Eiweiß im Urin setzen wir sie gezielt ein.
Bei einer eGFR unter 30 oder einem raschen Abfall der Werte überweisen wir Sie in die Nephrologie. Bis dahin begleiten wir Sie mit regelmäßigen Kontrollen – und passen die Dosis von Medikamenten an, die über die Niere ausgeschieden werden.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann