Gesundheit
Schlafstörungen: besser ein- und durchschlafen
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Eine unruhige Nacht kennt fast jeder. Wenn Sie aber regelmäßig lange wach liegen und tagsüber erschöpft sind, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Schlaf lässt sich nicht erzwingen – doch oft helfen gezielte Veränderungen und die passende Behandlung.
Warum der Schlaf aus dem Takt gerät
Stress, Sorgen und Grübeln gehören zu den häufigsten Auslösern. Manchmal beginnt alles mit einer belastenden Lebensphase. Später hält die Angst vor der nächsten schlechten Nacht das Problem aufrecht.
Auch körperliche Ursachen kommen infrage:
- Schmerzen, nächtlicher Harndrang oder Sodbrennen
- Atemaussetzer im Schlaf, eine sogenannte Schlafapnoe
- unruhige Beine mit Bewegungsdrang am Abend
- Depressionen, Angststörungen oder eine Schilddrüsenüberfunktion
- Medikamente, etwa bestimmte anregende Mittel oder Kortison
- Kaffee, Nikotin und Alkohol
Im höheren Alter wird der Schlaf oft leichter. Kurzes nächtliches Aufwachen ist nicht automatisch krankhaft. Entscheidend ist auch, ob Sie sich tagsüber ausreichend erholt fühlen. Viele Erwachsene brauchen etwa sieben bis neun Stunden Schlaf, manche etwas weniger.
Welche Beschwerden typisch sind
Sie finden abends nicht in den Schlaf, wachen wiederholt auf oder sind morgens viel zu früh wach. Tagsüber können Müdigkeit, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme dazukommen. Manche Menschen fühlen sich erschöpft, können aber trotzdem nicht einnicken.
Von einer chronischen Insomnie – einer anhaltenden Ein- oder Durchschlafstörung – spricht man meist, wenn die Beschwerden mindestens dreimal pro Woche über mindestens drei Monate auftreten. Dazu gehören Beeinträchtigungen am Tag, obwohl ausreichend Gelegenheit zum Schlafen besteht. Sie müssen aber nicht drei Monate warten, bevor Sie Hilfe suchen.
Lautes Schnarchen, beobachtete Atempausen und starke Tagesschläfrigkeit sollten abgeklärt werden. Mehr dazu lesen Sie unter Schnarchen und Schlafapnoe: Wenn der Schlaf nicht erholt.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Schlafstörungen allein sind normalerweise kein Notfall. Rufen Sie aber 112, wenn akute Atemnot, starke Brustschmerzen oder neue Lähmungen auftreten. Auch bei akuter Selbstgefährdung oder konkreten Suizidabsichten brauchen Sie sofort Hilfe – bleiben Sie damit nicht allein.
Wenn Sie mehrere Nächte kaum schlafen und zugleich ungewöhnlich aufgedreht, verwirrt oder stark verändert wirken, ist eine rasche ärztliche Einschätzung wichtig. Außerhalb der üblichen Praxiszeiten erreichen Sie bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Sekundenschlaf oder ausgeprägter Schläfrigkeit dürfen Sie nicht Auto fahren.
Was wir in der Praxis tun
Wir fragen nach Ihren Schlafzeiten, Belastungen, Vorerkrankungen und Medikamenten. Ein Schlaftagebuch über ein bis zwei Wochen hilft: Notieren Sie morgens grob Bettzeiten, Wachphasen und Ihr Befinden am Tag. Nächtliches Kontrollieren der Uhr ist dafür nicht nötig.
Je nach Beschwerden folgen eine körperliche Untersuchung und gezielte Blutuntersuchungen, etwa bei Verdacht auf eine Schilddrüsenstörung oder Eisenmangel. Eine Untersuchung im Schlaflabor ist nicht bei jeder Schlafstörung erforderlich. Bei Verdacht auf Atemaussetzer oder andere besondere Ursachen veranlassen wir eine weitere Abklärung.
Bei chronischer Insomnie ist die kognitive Verhaltenstherapie für Schlafstörungen die Behandlung erster Wahl. Sie hilft, ungünstige Schlafgewohnheiten und belastende Gedanken zu verändern. Dazu gehören auch individuell angepasste Bettzeiten. Die Behandlung gibt es persönlich und als geeignete digitale Therapie.
Schlafmittel sind keine dauerhafte Standardlösung. Gerade bei älteren Menschen können sie Stürze, Verwirrtheit und Abhängigkeit begünstigen. Auch frei verkäufliche Mittel und Melatonin sind nicht automatisch harmlos oder für jede Schlafstörung geeignet. Bereits länger eingenommene Schlafmittel sollten Sie nicht eigenständig abrupt absetzen.
Was Sie selbst tun können
- Stehen Sie möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende.
- Gehen Sie erst ins Bett, wenn Sie schläfrig sind. Zusätzliche Stunden im Bett gleichen schlechten Schlaf oft nicht aus.
- Wenn Sie länger wach liegen und sich ärgern: Stehen Sie nach Möglichkeit kurz auf und beschäftigen Sie sich bei gedämpftem Licht ruhig. Kehren Sie bei Schläfrigkeit zurück. Achten Sie auf einen sicheren Weg ohne Stolperfallen.
- Nutzen Sie Tageslicht und regelmäßige Bewegung, möglichst auch draußen.
- Vermeiden Sie lange oder späte Mittagsschläfchen. Lassen Sie Kaffee ab dem Nachmittag versuchsweise weg.
- Nutzen Sie Alkohol nicht als Einschlafhilfe. Er macht den Schlaf später oft unruhiger.
- Gestalten Sie den Abend ruhig. Legen Sie aufwühlende Nachrichten und helle Bildschirme rechtzeitig beiseite.
Zusammenfassung
Anhaltend schlechter Schlaf ist kein Schicksal und keine unvermeidliche Alterserscheinung. Wir suchen gemeinsam nach den Ursachen. Regelmäßige Gewohnheiten helfen; bei chronischen Beschwerden wirkt eine gezielte Verhaltenstherapie meist nachhaltiger als Schlafmittel.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.