Gesundheit
Schwindel: Harmlos oder ernst?
Dr. med. Kathrin Hamann23. April 2026 2 Min. Lesezeit

Schwindel gehört zu den häufigsten Gründen, warum Menschen in unsere Praxis kommen – und zu den Beschwerden, hinter denen am meisten Verschiedenes stecken kann. Das Spektrum reicht von einer harmlosen Störung im Gleichgewichtsorgan bis zum Schlaganfall. Entscheidend ist deshalb, genau zu beschreiben, was Sie spüren: Dreht sich alles? Schwankt der Boden? Wird es schwarz vor den Augen? Jede dieser Formen hat andere Ursachen.
Drehschwindel: Wenn sich alles dreht
Beim Drehschwindel bewegt sich die Umgebung, oft mit Übelkeit. Die häufigste Ursache ist der gutartige Lagerungsschwindel: kurze, heftige Attacken von wenigen Sekunden beim Umdrehen im Bett, beim Hinlegen oder Aufrichten. Kleine Kristalle im Innenohr sind verrutscht. Das fühlt sich dramatisch an, ist aber harmlos und lässt sich mit einem Lagerungsmanöver (zum Beispiel nach Epley) oft in einer Sitzung beheben.
Hält der Drehschwindel über Tage an, mit starker Übelkeit und Unsicherheit beim Gehen, kann eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs dahinterstecken (Neuritis vestibularis). Kommen Hörminderung und Ohrgeräusch dazu, denken wir an einen Morbus Menière. Beides gehört in fachärztliche Hände – wir überweisen Sie dann zu HNO oder Neurologie.
Schwankschwindel und Unsicherheit
Hier dreht sich nichts, aber der Boden fühlt sich unsicher an, der Gang wird wackelig. Dahinter stecken häufig:
- Herz und Kreislauf: ein Blutdruckabfall beim Aufstehen, zu niedriger oder zu hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen
- Medikamente: Blutdrucksenker, Schlaf- und Beruhigungsmittel – und bei älteren Menschen oft schlicht zu viele Medikamente auf einmal
- Blutzucker, Blutarmut, Flüssigkeitsmangel
- Augen und Nacken: eine neue Brille, Verspannungen der Halswirbelsäule
- Angst und Stress: ein anhaltender, diffuser Schwindel ohne körperlichen Befund ist häufiger, als viele denken
Schwarz vor Augen beim Aufstehen
Wenn es beim schnellen Aufstehen kurz dunkel wird, sackt der Blutdruck für einen Moment ab. Das ist meist harmlos: genug trinken, langsam aufstehen, erst auf die Bettkante setzen. Tritt es häufig auf oder kommt es zu Stürzen, klären wir die Ursache ab.
Wann Schwindel ein Notfall ist
Rufen Sie sofort die 112, wenn Schwindel plötzlich auftritt und mit einem dieser Zeichen verbunden ist:
- Doppelbilder oder Sehverlust
- Sprachstörung, Lähmung oder Taubheitsgefühl in Gesicht, Arm oder Bein
- heftiger, nie gekannter Kopfschmerz
- Unfähigkeit zu stehen oder zu gehen
Dann kann ein Schlaganfall die Ursache sein. Mehr dazu im Artikel Schlaganfall erkennen: Der FAST-Test.
Was wir in der Praxis tun
Zuerst fragen wir genau nach: Welche Art von Schwindel, seit wann, wie lange dauert er, was löst ihn aus, welche Medikamente nehmen Sie? Dann messen wir den Blutdruck im Liegen und im Stehen, schreiben ein EKG, bei Bedarf ein Langzeit-EKG, nehmen Blut ab und machen eine Lagerungsprobe. Oft klärt sich die Ursache schon damit. Bei älteren Menschen achten wir besonders auf die Sturzgefahr und prüfen den Medikamentenplan. Wenn nötig, überweisen wir gezielt zu HNO oder Neurologie.
Zusammenfassung
Schwindel ist meist harmlos, aber nie egal. Beschreiben Sie uns möglichst genau, was Sie erleben – das ist der wichtigste Schritt zur Ursache. Und bei plötzlichem Schwindel mit Seh-, Sprach- oder Lähmungszeichen zählt jede Minute: 112.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann