Gesundheit
Magenbeschwerden: Sodbrennen, Reflux und Gastritis
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Nach einem üppigen Essen brennt es hinter dem Brustbein, nachts kommt saures Aufstoßen dazu. Oder der Oberbauch drückt, obwohl Sie kaum etwas gegessen haben. Solche Beschwerden sind häufig und meist gut behandelbar. Wichtig ist, die Ursache zu klären – besonders wenn die Beschwerden neu sind oder immer wiederkommen.
Was hinter den Beschwerden steckt
Sodbrennen beschreibt ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein. Meist entsteht es, wenn Mageninhalt zurück in die Speiseröhre fließt. Dieser Rückfluss heißt Reflux. Tritt er häufig auf oder verursacht er belastende Beschwerden oder Schäden, sprechen wir von einer Refluxkrankheit.
Oft schließt der Muskel zwischen Magen und Speiseröhre nicht ausreichend. Ein Zwerchfellbruch kann das begünstigen: Dabei rutscht ein Teil des Magens durch die Öffnung im Zwerchfell nach oben. Auch Übergewicht, große Mahlzeiten und Hinlegen direkt nach dem Essen können Reflux fördern.
Eine Gastritis ist dagegen eine Entzündung der Magenschleimhaut, also der schützenden inneren Auskleidung des Magens. Häufige Ursachen sind:
- das Bakterium Helicobacter pylori, das im Magen leben kann
- entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac; auch Acetylsalicylsäure kann die Schleimhaut schädigen
- seltener eine Fehlreaktion des Immunsystems gegen die eigene Magenschleimhaut
Alkohol kann die Schleimhaut zusätzlich reizen. Stress kann Magenbeschwerden verstärken, beweist aber keine Entzündung. Auch ein empfindlicher Magen ohne erkennbare organische Erkrankung, ein sogenannter Reizmagen, kommt als Ursache infrage.
Welche Beschwerden typisch sind
Bei Reflux stehen saures Aufstoßen und Brennen hinter dem Brustbein im Vordergrund, oft nach dem Essen oder im Liegen. Manchmal kommen Heiserkeit oder Husten hinzu. Diese können allerdings viele andere Ursachen haben.
Bei einer Gastritis sind Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl oder fehlender Appetit möglich. Manche Menschen haben gar keine Beschwerden. An den Symptomen allein lässt sich eine Gastritis nicht sicher erkennen. Ähnliche Beschwerden können auch durch ein Magengeschwür oder Erkrankungen der Gallenblase entstehen. Mehr dazu lesen Sie unter Bauchschmerzen: akut oder chronisch – wann zum Arzt?.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Nicht jedes Brennen im Brustkorb kommt vom Magen. Rufen Sie 112, wenn neue starke Brustschmerzen oder Druck im Brustkorb auftreten – besonders zusammen mit Atemnot, kaltem Schweiß, Schwäche oder Ausstrahlung in Arm, Rücken oder Kiefer. Dahinter kann ein Herzinfarkt stecken.
Auch bei Bluterbrechen, kaffeesatzartigem Erbrechen, schwarzem teerartigem Stuhl oder plötzlich sehr starken Bauchschmerzen brauchen Sie sofort medizinische Hilfe. Bei Kreislaufproblemen, Ohnmacht oder ausgeprägter Schwäche: 112.
Lassen Sie Schluckbeschwerden, Schmerzen beim Schlucken, ungewollten Gewichtsverlust oder wiederholtes Erbrechen zeitnah ärztlich abklären. Bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Erreichbarkeit Ihrer Praxis hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117. Eine Orientierung bietet 112, 116117 oder Praxis? Wer wann für Sie da ist.
Was wir in der Praxis tun
Wir fragen nach Zeitpunkt, Dauer und Auslösern Ihrer Beschwerden. Auch Ihre Medikamente sind wichtig – einschließlich frei verkäuflicher Schmerzmittel. Es folgt eine körperliche Untersuchung. Je nach Befund können Blutuntersuchungen etwa eine Blutarmut aufdecken. Ein Bauchultraschall kann andere Ursachen suchen, eine Gastritis aber nicht sicher feststellen.
Bei typischen Refluxbeschwerden ohne Warnzeichen kann zunächst eine Behandlung mit einem säurehemmenden Medikament sinnvoll sein. Solche Protonenpumpenhemmer verringern die Säurebildung. Wir besprechen, wie lange Sie diese brauchen, und prüfen die Behandlung im Verlauf.
Wenn nötig, veranlassen wir einen Atem- oder Stuhltest auf Helicobacter pylori oder überweisen zur Magenspiegelung. Dabei können Speiseröhre und Magen untersucht und Gewebeproben entnommen werden. Säurehemmer und Antibiotika können Helicobacter-Tests verfälschen. Notwendige Einnahmepausen stimmen wir deshalb mit Ihnen ab. Wird das Bakterium nachgewiesen und behandelt, sollte anschließend der Behandlungserfolg kontrolliert werden.
Was Sie selbst tun können
- Essen Sie kleinere Portionen und lassen Sie zwischen Abendessen und Zubettgehen möglichst zwei bis drei Stunden Abstand.
- Beobachten Sie persönliche Auslöser. Kaffee, Alkohol, fettreiche oder scharfe Speisen müssen nicht pauschal verboten werden.
- Bei nächtlichem Reflux kann ein erhöhtes Kopfende des Bettes helfen. Auch Schlafen auf der linken Seite kann entlasten.
- Wenn Sie Übergewicht haben, kann eine behutsame Gewichtsabnahme Beschwerden lindern. Verzichten Sie möglichst auf das Rauchen.
- Nehmen Sie Schmerzmittel und Säurehemmer nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache. Verordnete Medikamente, insbesondere Acetylsalicylsäure zum Gefäßschutz, setzen Sie bitte nicht eigenständig ab.
Zusammenfassung
Sodbrennen, Reflux und Gastritis sind nicht dasselbe. Häufig helfen angepasste Gewohnheiten und eine gezielte Behandlung. Wiederkehrende Beschwerden sollten wir gemeinsam abklären. Bei Blutungszeichen, starken Brustschmerzen oder Kreislaufproblemen warten Sie bitte nicht ab.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.