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Gesundheit

Bauchschmerzen: akut oder chronisch – wann zum Arzt?

Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Eine ältere Frau hält sich den Bauch, während zwei kreisförmige Detailansichten die Bauchorgane und eine ärztliche Ultraschalluntersuchung zeigen.

Bauchschmerzen kennt fast jeder: Es zieht, drückt oder krampft. Oft stecken Blähungen, ungewohntes Essen oder ein Infekt dahinter. Manchmal sind sie aber ein Warnsignal, das rasch abgeklärt werden muss. Entscheidend sind nicht nur die Stärke, sondern auch der Verlauf und begleitende Beschwerden.

Akut oder chronisch – was bedeutet das?

Akute Bauchschmerzen beginnen plötzlich oder bestehen erst seit kurzer Zeit. Halten Beschwerden über mehrere Monate an oder kehren immer wieder, sprechen wir von chronischen Bauchschmerzen. Auch langjährige Beschwerden sollten neu beurteilt werden, wenn sie sich deutlich verändern.

Der Bauch beherbergt viele Organe. Deshalb lässt sich die Ursache nicht allein an der schmerzenden Stelle erkennen. Auch Erkrankungen des Herzens, der Harnwege oder der Geschlechtsorgane können sich als Bauchschmerzen bemerkbar machen.

Häufige Ursachen

  • Ein Magen-Darm-Infekt verursacht oft Krämpfe, Durchfall und Erbrechen. Meist bessert er sich innerhalb weniger Tage.
  • Verstopfung und Blähungen führen häufig zu Druck, Völlegefühl und wechselnden Schmerzen.
  • Sodbrennen, eine gereizte Magenschleimhaut oder ein Magengeschwür können im Oberbauch schmerzen. Manche Schmerzmittel begünstigen solche Beschwerden.
  • Gallensteine oder Harnleitersteine können starke, wellenartige Schmerzattacken auslösen.
  • Entzündungen, etwa am Blinddarm, an der Gallenblase oder an Ausstülpungen des Dickdarms, müssen ärztlich beurteilt werden.
  • Bei länger anhaltenden Beschwerden kommen auch Unverträglichkeiten, Zöliakie oder chronische Darmentzündungen infrage.

Ein Reizdarm kann ebenfalls wiederkehrende Schmerzen mit verändertem Stuhlgang verursachen. Die Beschwerden sind echt und können den Alltag stark belasten. Diese Diagnose stellen wir erst nach einer passenden Abklärung. Stress kann Bauchbeschwerden verstärken, ist aber nicht automatisch ihre Ursache.

Welche Beschwerden wichtig sind

Achten Sie darauf, wo der Schmerz beginnt, ob er wandert und ob Essen oder Stuhlgang ihn verändern. Hilfreich ist auch die Beschreibung: brennend, stechend, drückend oder krampfartig.

Begleitzeichen geben wichtige Hinweise:

  • Fieber, Übelkeit oder Erbrechen
  • Durchfall, Verstopfung oder Blut im Stuhl
  • Brennen beim Wasserlassen oder Blut im Urin
  • gelbe Haut oder gelbe Augen
  • ungewollter Gewichtsverlust, fehlender Appetit oder nächtliche Beschwerden

Neue, anhaltende Bauchschmerzen sollten besonders im höheren Alter zeitnah untersucht werden. Schwere Erkrankungen können bei älteren Menschen auch mit wenig Schmerzen oder ohne Fieber verlaufen.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Rufen Sie 112, wenn plötzlich sehr starke Bauchschmerzen auftreten, der Bauch hart wird oder Kreislaufprobleme, Ohnmacht, kalter Schweiß beziehungsweise Atemnot hinzukommen. Auch Oberbauchschmerzen zusammen mit Brustdruck können auf einen Herzinfarkt hinweisen.

Bei Bluterbrechen, größeren Blutmengen im Stuhl oder schwarzem, teerartigem Stuhl mit Schwäche brauchen Sie ebenfalls sofort Hilfe. Fahren Sie in solchen Situationen nicht selbst.

Noch am selben Tag ärztlich abklären lassen sollten Sie:

  • zunehmende oder über Stunden anhaltende deutliche Schmerzen
  • Schmerzen mit Fieber, Gelbfärbung der Haut oder wiederholtem Erbrechen
  • einen stark geblähten Bauch, wenn Stuhl und Winde ausbleiben, besonders mit Erbrechen
  • Beschwerden, bei denen Sie kaum trinken können oder deutlich weniger Urin ausscheiden
  • Bauchschmerzen bei möglicher Schwangerschaft, besonders mit Blutungen

Bei starken Schmerzen oder Kreislaufproblemen in der Schwangerschaft gilt ebenfalls: 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117.

Was wir in der Praxis tun

Wir fragen nach Beginn, Verlauf, Stuhlgang, Vorerkrankungen und Medikamenten. Danach untersuchen wir Ihren Bauch und prüfen je nach Situation Kreislauf und Temperatur.

Gezielte Blut- oder Urinuntersuchungen und ein Ultraschall des Bauches können weiterhelfen. Nicht jede Ursache ist im Ultraschall sichtbar. Bei Bedarf veranlassen wir weitere Untersuchungen oder überweisen zur fachärztlichen Abklärung, etwa für eine Magen- oder Darmspiegelung. Bei Verdacht auf einen akuten Notfall organisieren wir die rasche Versorgung im Krankenhaus.

Was Sie selbst tun können

Bei milden Beschwerden ohne Warnzeichen helfen oft Ruhe, kleine verträgliche Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit. Wärme kann angenehm sein, darf eine notwendige Untersuchung aber nicht verzögern.

  • Notieren Sie bei wiederkehrenden Beschwerden Mahlzeiten, Schmerzen und Stuhlgang.
  • Nehmen Sie Schmerzmittel oder Abführmittel bei unklaren stärkeren Bauchschmerzen nicht auf eigene Faust.
  • Verzichten Sie nicht dauerhaft auf ganze Lebensmittelgruppen, ohne die Ursache abklären zu lassen.

Weitere Hinweise finden Sie unter Magen-Darm-Infekt: Durchfall und Erbrechen – was hilft, wann zum Arzt und Chronische Verstopfung (Obstipation).

Zusammenfassung

Bauchschmerzen sind häufig harmlos, sollten aber nicht pauschal abgetan werden. Plötzlich starke Schmerzen und Kreislaufprobleme sind ein Notfall. Wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden klären wir gemeinsam mit Ihnen ab – damit eine passende Behandlung möglich wird.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

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