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Gesundheit

Chronische Verstopfung (Obstipation): Was dem Darm hilft

Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Eine ältere Frau sitzt entspannt am Frühstückstisch, ergänzt durch kreisförmige Darstellungen des Dickdarms und einer günstigen Sitzhaltung auf der Toilette.

Nicht jeden Tag Stuhlgang zu haben, ist noch keine Verstopfung. Entscheidend ist auch, ob der Stuhl hart ist, Sie stark pressen müssen oder sich der Darm nicht vollständig entleert anfühlt. Halten solche Beschwerden über Monate an, sprechen wir von chronischer Verstopfung, medizinisch Obstipation. Sie ist häufig und lässt sich meist gut behandeln – auch wenn es manchmal etwas Geduld braucht.

Wie eine Verstopfung entsteht

Manchmal bewegt der Dickdarm den Stuhl zu langsam weiter. Dadurch wird ihm mehr Wasser entzogen, und er wird hart. Bei anderen Menschen arbeiten Beckenboden und Schließmuskel beim Entleeren nicht richtig zusammen. Die Ursache ist also nicht immer eine falsche Ernährung.

Begünstigende Faktoren sind:

  • wenig Ballaststoffe, etwa aus Vollkorn, Gemüse und Obst
  • zu wenig Flüssigkeit, besonders bei älteren Menschen
  • wenig Bewegung oder längere Bettlägerigkeit
  • häufiges Unterdrücken des Stuhldrangs
  • Medikamente, etwa starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide, Eisenpräparate oder bestimmte Mittel gegen Depressionen
  • Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes oder Parkinson

Setzen Sie Medikamente bitte nicht eigenständig ab. Oft lässt sich gemeinsam eine verträglichere Lösung finden.

Welche Beschwerden typisch sind

Weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche können ein Hinweis sein. Ebenso wichtig sind harter oder klumpiger Stuhl, starkes Pressen und das Gefühl, dass etwas den Ausgang blockiert. Manche Menschen müssen mit der Hand nachhelfen. Auch Blähungen, Völlegefühl und Bauchschmerzen kommen vor.

Von einer chronischen Verstopfung spricht man in der Regel, wenn mehrere typische Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen und vor mindestens sechs Monaten begonnen haben. Sie müssen aber nicht so lange warten, bevor Sie Hilfe suchen.

Bei älteren Menschen kann sich fester Stuhl im Enddarm ansammeln. Dünnflüssiger Stuhl läuft dann manchmal daran vorbei und wirkt wie Durchfall. Auch das sollte ärztlich untersucht werden.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Starke Bauchschmerzen, ein deutlich aufgeblähter Bauch, Erbrechen und gleichzeitig weder Stuhlgang noch Windabgang können auf einen Darmverschluss hinweisen. Rufen Sie bei solchen ausgeprägten Beschwerden, besonders mit Kreislaufproblemen, den Notruf 112. Nehmen Sie dann keine weiteren Abführmittel ein.

Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Erreichbarkeit Ihrer Praxis hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117.

Zeitnah abklären lassen sollten Sie:

  • Blut im Stuhl oder schwarzen, teerartigen Stuhl
  • unbeabsichtigten Gewichtsverlust oder ungewöhnliche Müdigkeit
  • eine neu aufgetretene, anhaltende Veränderung des Stuhlgangs, besonders im höheren Alter
  • Verstopfung zusammen mit Fieber oder zunehmenden Schmerzen

Bei stärkeren Blutungen, Ohnmacht oder Kreislaufproblemen wählen Sie ebenfalls 112.

Was wir in der Praxis tun

Wir fragen nach Ihren Beschwerden, Ihrer Ernährung und allen Medikamenten. Ein Stuhltagebuch über ein bis zwei Wochen hilft dabei. Es folgen eine Untersuchung des Bauches und bei Bedarf eine vorsichtige Untersuchung des Enddarms.

Blutuntersuchungen können je nach Verdacht beispielsweise eine Schilddrüsenstörung oder veränderte Blutsalze aufdecken. Eine Darmspiegelung ist bei Verstopfung allein nicht automatisch nötig. Bei Warnzeichen oder im Rahmen der Darmkrebsvorsorge ab 50: Stuhltest oder Darmspiegelung? besprechen wir die weitere Abklärung und überweisen bei Bedarf.

Reichen Alltagsmaßnahmen nicht aus, können Mittel wie Macrogol helfen, den Stuhl weicher zu machen. Auch Bisacodyl oder Natriumpicosulfat kommen infrage. Richtig eingesetzt sind Abführmittel nicht grundsätzlich schädlich; Auswahl und längerfristige Anwendung sollten ärztlich begleitet werden. Bei einer gestörten Entleerung kann ein spezielles Beckenbodentraining mit Rückmeldung, sogenanntes Biofeedback, wirksamer sein als immer mehr Abführmittel.

Was Sie selbst tun können

  • Ballaststoffe langsam steigern: Vollkorn, Gemüse und Obst unterstützen die Verdauung. Flohsamenschalen können helfen, brauchen aber ausreichend Flüssigkeit und sind bei Schluckstörungen ungeeignet. Zu schnelle Steigerungen verursachen oft Blähungen.
  • Ausreichend trinken: Häufig passen etwa 1,5 Liter täglich. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen gilt Ihre individuell vereinbarte Trinkmenge. Zusätzliches Trinken über den Bedarf hinaus löst die Verstopfung meist nicht.
  • Regelmäßig bewegen: Spaziergänge und leichte Übungen unterstützen den Alltag und die Darmtätigkeit.
  • Zeit einplanen: Nutzen Sie den natürlichen Stuhldrang, etwa nach dem Frühstück. Vermeiden Sie langes, kräftiges Pressen.
  • Günstig sitzen: Ein kleiner, standsicherer Fußhocker kann das Entleeren erleichtern. Achten Sie auf sicheren Halt.

Zusammenfassung

Chronische Verstopfung ist mehr als seltener Stuhlgang. Mit passenden Gewohnheiten und bei Bedarf Medikamenten lässt sie sich häufig gut lindern. Neue Beschwerden und Warnzeichen sollten wir abklären. Sprechen Sie offen darüber – das Thema gehört selbstverständlich in die Hausarztpraxis.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

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