Gesundheit
Urinbefund verstehen: Leukozyten, Blut und Eiweiß
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 4 Min. Lesezeit

Ein Urintest ist schnell gemacht und liefert wichtige Hinweise auf Blase und Nieren. Doch ein auffälliger Wert bedeutet nicht automatisch, dass Sie krank sind. Entscheidend ist, ob Sie Beschwerden haben, wie die Probe gewonnen wurde und ob die Veränderung bestehen bleibt.
Was der Urintest zeigen kann
Die Nieren filtern das Blut. Sie entfernen Abfallstoffe und überschüssiges Wasser, halten aber wichtige Bestandteile wie Blutzellen und größere Eiweiße normalerweise zurück. Der Urin gelangt über die Harnleiter in die Blase und wird über die Harnröhre ausgeschieden.
Ein Teststreifen zeigt bestimmte Veränderungen durch einen Farbumschlag an. Er ist ein Suchtest, keine fertige Diagnose. Je nach Befund folgen eine Kontrolle, eine Untersuchung unter dem Mikroskop oder eine Urinkultur. Dabei prüft das Labor, ob Bakterien wachsen und welche Antibiotika gegebenenfalls wirken.
Leukozyten: Hinweise auf eine Entzündung
Leukozyten sind weiße Blutkörperchen. Sie gehören zur körpereigenen Abwehr. Im Urin können sie auf eine Entzündung hinweisen, zum Beispiel auf eine Blasenentzündung. Sie können aber auch durch Verunreinigungen aus dem Genitalbereich in die Probe gelangen.
Typische Beschwerden einer Blasenentzündung sind:
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- häufiger, starker Harndrang, obwohl nur wenig Urin kommt
- Druck oder Schmerzen im Unterbauch
Auch Nitrit auf dem Teststreifen kann auf bestimmte Bakterien hinweisen. Ein negativer Nitritwert schließt einen Infekt jedoch nicht aus. Mehr dazu lesen Sie unter Harnwegsinfektion – Was steckt womöglich dahinter?.
Wichtig: Leukozyten oder Bakterien ohne Beschwerden benötigen meist keine Antibiotika. Gerade bei älteren Menschen kommen solche Befunde häufiger vor. Ausnahmen, etwa vor bestimmten urologischen Eingriffen oder in der Schwangerschaft, beurteilen wir gesondert. Geruch oder trüber Urin allein beweisen keinen Infekt.
Blut: auch ohne Schmerzen abklären
Blut kann den Urin rosa, rot oder bräunlich färben. Manchmal sind die Mengen so klein, dass nur der Test auffällt. Ursachen sind unter anderem Infektionen, Harnsteine, Nierenerkrankungen oder Veränderungen an Prostata und Harnwegen. Seltener steckt eine Krebserkrankung dahinter.
Auch Menstruationsblut oder starke körperliche Belastung können einen auffälligen Befund erklären. Ein positiver Teststreifen wird deshalb je nach Situation kontrolliert und durch weitere Untersuchungen eingeordnet.
Sichtbares Blut im Urin sollten Sie immer zeitnah ärztlich abklären lassen – auch wenn nichts wehtut oder Sie Blutverdünner einnehmen. Setzen Sie diese Medikamente nicht selbst ab.
Eiweiß: auf die Menge und den Verlauf kommt es an
Kleine Eiweißmengen können vorübergehend auftreten, etwa bei Fieber, nach Sport oder während eines Harnwegsinfekts. Bleibt Eiweiß nachweisbar, kann das auf eine Schädigung der Nierenfilter hinweisen. Diabetes und Bluthochdruck sind wichtige mögliche Ursachen.
Zur genaueren Beurteilung lässt sich das Eiweiß Albumin im Verhältnis zum Kreatinin im Urin messen. Dafür eignet sich besonders Morgenurin. Ein auffälliger Wert wird meist erneut geprüft. Schäumender Urin allein beweist keinen Eiweißverlust; anhaltender Schaum oder zusätzliche Schwellungen sollten aber angesprochen werden.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
- Bei Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen seitlich am Rücken brauchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe. Dahinter kann eine Nierenentzündung stecken.
- Bei starken Schmerzen, Blutklumpen im Urin oder wenn Sie trotz Harndrang keinen Urin lassen können, ist ebenfalls eine sofortige Abklärung nötig.
- Bei schwerem Krankheitsgefühl mit Verwirrtheit, Kreislaufproblemen oder Atemnot wählen Sie 112.
Wenn die Beschwerden dringend sind, aber keine Lebensgefahr besteht und wir nicht erreichbar sind, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117.
Was wir in der Praxis tun
Wir fragen nach Beschwerden, Medikamenten, Vorerkrankungen und möglichen Verunreinigungen der Probe. Je nach Befund folgen eine körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung und Laboruntersuchungen. Eine Blutabnahme kann zeigen, wie gut die Nieren arbeiten. Dazu passt unser Artikel Laborwerte erklärt – Nierenwerte (Kreatinin, eGFR).
Bei Bedarf ergänzen wir einen Ultraschall des Bauches. Anhaltendes Blut oder Eiweiß im Urin kann eine Überweisung in eine urologische oder nephrologische Praxis erfordern. Die Nephrologie befasst sich mit Nierenerkrankungen.
Was Sie selbst tun können
- Für Mittelstrahlurin lassen Sie zunächst etwas Urin in die Toilette laufen. Fangen Sie dann die mittlere Portion im vorgesehenen sauberen Becher auf.
- Berühren Sie die Innenseite des Bechers nicht. Geben Sie die Probe möglichst rasch ab.
- Informieren Sie uns über Ihre Menstruation, kürzliche starke Belastung und Medikamente.
- Trinken Sie normal, nicht absichtlich besonders viel vor dem Test. Halten Sie eine ärztlich vereinbarte Trinkmengenbegrenzung ein.
Zusammenfassung
Ein auffälliger Urinbefund ist ein Hinweis, keine Diagnose. Beschwerden, Kontrollproben und gezielte Untersuchungen helfen, harmlose Veränderungen von behandlungsbedürftigen Ursachen zu unterscheiden. Sichtbares Blut und anhaltendes Eiweiß sollten Sie auch ohne Schmerzen abklären lassen.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.