Gesundheit
COPD: Raucherhusten und chronische Bronchitis
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Husten am Morgen gehört für viele Menschen, die rauchen, zum Alltag. Auch wenn beim Treppensteigen die Luft knapp wird, denken manche zunächst an das Alter. Hinter diesen Beschwerden kann jedoch eine COPD stecken: eine dauerhafte Erkrankung, bei der die Atemwege verengt sind. Je früher sie erkannt wird, desto besser lässt sich gegensteuern.
Was hinter COPD und chronischer Bronchitis steckt
Bei einer chronischen Bronchitis sind die Atemwege über längere Zeit entzündet. Typisch sind Husten und Auswurf an den meisten Tagen, mindestens drei Monate lang in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Andere Ursachen müssen dabei ausgeschlossen werden. Nicht jede chronische Bronchitis ist bereits eine COPD.
Von COPD sprechen wir, wenn die Atemwege dauerhaft verengt bleiben. Häufig werden zusätzlich die feinen Lungenbläschen geschädigt. Diese nehmen Sauerstoff aus der Atemluft auf. Werden ihre Wände zerstört, heißt das Lungenemphysem – die Lunge verliert an Leistungsfähigkeit.
Die häufigste Ursache ist Tabakrauch. Auch Passivrauchen sowie jahrelange Belastungen durch Staub, Rauch oder Dämpfe am Arbeitsplatz können beitragen. Seltener steckt eine erbliche Veranlagung dahinter. Deshalb können auch Menschen erkranken, die nie geraucht haben.
Welche Beschwerden typisch sind
COPD entwickelt sich meist schleichend. Achten Sie besonders auf:
- Husten, zunächst oft morgens, später auch tagsüber
- regelmäßigen Auswurf von Schleim
- Atemnot bei Belastung, etwa beim Gehen bergauf oder Treppensteigen
- pfeifende Atmung oder ein Engegefühl im Brustkorb
- häufige Atemwegsinfekte und nachlassende Belastbarkeit
Wer wegen Luftnot immer weniger aktiv ist, verliert Muskelkraft. Dadurch werden selbst kleine Anstrengungen schwieriger. Dieser Kreislauf lässt sich durchbrechen. Anhaltender Husten sollte deshalb abgeklärt werden – auch ohne starke Atemnot.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Eine COPD kann sich innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern, zum Beispiel durch einen Infekt. Das nennt man eine akute Verschlechterung oder Exazerbation.
Rufen Sie 112, wenn starke Atemnot in Ruhe auftritt, Sie kaum noch sprechen können, Lippen bläulich werden oder Benommenheit, Verwirrtheit beziehungsweise starke Brustschmerzen hinzukommen. Warten Sie dann nicht auf einen Praxistermin.
Nimmt die Atemnot merklich zu, brauchen Sie häufiger Ihr verordnetes Bedarfsmedikament oder kommen Fieber und deutlich mehr Auswurf hinzu, lassen Sie sich noch am selben Tag ärztlich beurteilen. Außerhalb der regulären Versorgung hilft bei dringlichen, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117. Neu auftretendes Blut im Auswurf muss ebenfalls rasch abgeklärt werden.
Was wir in der Praxis tun
Wir fragen nach Ihren Beschwerden, Rauchgewohnheiten und möglichen Belastungen im Beruf. Anschließend untersuchen wir Sie und hören die Lunge ab. Entscheidend ist die Lungenfunktionsmessung: Sie zeigt, wie viel Luft Sie ausatmen und wie schnell das gelingt. Mehr zum Ablauf lesen Sie unter Lungenfunktionstest (Spirometrie): Ablauf und Bedeutung.
Für die Diagnose wird geprüft, ob die Verengung auch nach einem atemwegserweiternden Medikament bestehen bleibt. Je nach Befund veranlassen wir weitere Untersuchungen oder überweisen in eine lungenärztliche Praxis. Auch andere Ursachen wie Asthma oder eine Herzschwäche müssen bedacht werden.
Die Behandlung richtet sich nach Ihren Beschwerden und bisherigen Verschlechterungen. Inhalierbare Medikamente erweitern die Atemwege. Kortison zum Inhalieren kommt nur in bestimmten Situationen hinzu, nicht automatisch bei jeder COPD. Wichtig ist die richtige Anwendung des Inhalators. Wir besprechen außerdem passende Impfungen, Bewegung und bei Bedarf eine Rehabilitation. Sauerstoff benötigen nur bestimmte Betroffene mit nachgewiesenem längerfristigem Sauerstoffmangel.
Was Sie selbst tun können
- Rauchen beenden: Das ist die wirksamste Maßnahme, um das Fortschreiten zu bremsen. Beratung und unterstützende Medikamente können helfen. Auch nach vielen Jahren lohnt sich der Rauchstopp.
- In Bewegung bleiben: Regelmäßiges Gehen, angepasstes Krafttraining oder Lungensport stärken Ihre Belastbarkeit. Beginnen Sie in kleinen Schritten.
- Ruhiger ausatmen: Bei der Lippenbremse atmen Sie langsam durch locker aufeinanderliegende Lippen aus. Lassen Sie sich die Technik zeigen.
- Behandlung sicher anwenden: Nutzen Sie Ihre Medikamente wie vereinbart. Ein schriftlicher Plan hilft, bei einer Verschlechterung richtig zu reagieren.
- Infekten vorbeugen: Lassen Sie Ihren Impfstatus prüfen. Hinweise finden Sie unter Impfungen ab 60: Pneumokokken, Gürtelrose, RSV.
Zusammenfassung
Raucherhusten ist kein harmloser Gewöhnungseffekt. COPD ist zwar nicht heilbar, aber gut beeinflussbar. Rauchstopp, passende Inhalationsmedikamente und regelmäßige Bewegung können Beschwerden lindern und Verschlechterungen vorbeugen. Sprechen Sie uns an, wenn Husten oder Luftnot Ihren Alltag begleiten.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.