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Gesundheit

Jodmangel und Kropf (Struma): Wenn die Schilddrüse wächst

Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Eine Illustration zeigt eine ältere Frau mit markierter Schilddrüse am Hals, zwei Detailansichten des Organs sowie Seefisch, Milch und einen Salzstreuer als Jodquellen.

Die Schilddrüse liegt vorne am Hals und ist normalerweise kaum zu sehen. Sie bildet Hormone, die unter anderem Stoffwechsel, Herzschlag und Körperwärme steuern. Dafür braucht sie Jod aus der Nahrung. Bekommt sie dauerhaft zu wenig davon, kann sie wachsen – eine solche Vergrößerung heißt Kropf oder Struma.

Warum sich die Schilddrüse vergrößert

Bei Jodmangel versucht die Schilddrüse, durch mehr Gewebe ausreichend Hormone herzustellen. Das kann lange unbemerkt bleiben. Auch eine vergrößerte Schilddrüse kann zunächst normale Hormonwerte haben. Mit der Zeit können sich zusätzlich Knoten bilden.

Jodmangel ist aber nicht die einzige mögliche Ursache. Auch Knoten, Entzündungen oder Erkrankungen des körpereigenen Abwehrsystems können die Schilddrüse vergrößern. Dazu gehört etwa Hashimoto: wenn die Schilddrüse sich selbst angreift. Eine bösartige Erkrankung steckt deutlich seltener dahinter.

Jod kommt vor allem in Seefisch, Milchprodukten und jodiertem Speisesalz vor. Wer diese Lebensmittel kaum isst, hat ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Versorgung. Das betrifft beispielsweise Menschen mit veganer Ernährung, wenn geeignete Jodquellen fehlen. In Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Bedarf.

Welche Beschwerden auftreten können

Ein kleiner Kropf verursacht oft keine Beschwerden. Manchmal fällt nur eine Verdickung vorne am Hals auf oder der Hemdkragen sitzt enger. Bei stärkerer Vergrößerung sind möglich:

  • Druck oder ein Engegefühl am Hals
  • das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben
  • Schwierigkeiten beim Schlucken
  • Hustenreiz oder Atemprobleme, besonders im Liegen
  • neu auftretende oder anhaltende Heiserkeit

Solche Beschwerden können auch andere Ursachen haben. Lassen Sie sie deshalb abklären. Müdigkeit, Frieren und Verstopfung können zusätzlich auf eine Unterfunktion hinweisen. Herzrasen, Schwitzen, Zittern und ungewollter Gewichtsverlust passen eher zu einer Überfunktion. An der Größe allein lässt sich die Hormonfunktion nicht erkennen.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Rufen Sie bei ausgeprägter oder rasch zunehmender Atemnot den Notruf 112 – besonders, wenn gleichzeitig eine Schwellung am Hals zunimmt. Auch Kreislaufzusammenbruch oder starke Brustschmerzen mit Herzrasen sind Notfallzeichen.

Eine rasch wachsende Halsverdickung, neue Heiserkeit oder zunehmende Schluckprobleme sollten zeitnah ärztlich untersucht werden. Bei einer schmerzhaften Schwellung mit Fieber ist eine Abklärung noch am selben Tag sinnvoll. Wenn die Beschwerden nicht bis zum nächsten Praxistermin warten können, aber kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt, hilft außerhalb der regulären Versorgung der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Was wir in der Praxis tun

Wir fragen nach Ihren Beschwerden, Ihrer Ernährung und Schilddrüsenerkrankungen in der Familie. Wichtig sind auch Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel. Anschließend untersuchen wir den Hals und tasten die Schilddrüse ab.

Eine Blutabnahme zeigt, ob die Hormonsteuerung auffällig ist. Meist steht zunächst der TSH-Wert im Mittelpunkt; je nach Befund kommen weitere Werte hinzu. Mehr dazu lesen Sie unter Laborwerte erklärt – TSH und die Schilddrüse. Ein normaler TSH-Wert schließt eine Vergrößerung oder Knoten nicht aus.

Mit dem Ultraschall der Schilddrüse beurteilen wir Größe und Gewebestruktur sowie mögliche Knoten. Falls nötig, überweisen wir zur weiteren Abklärung. Eine Szintigrafie kann beispielsweise zeigen, wie aktiv einzelne Bereiche sind. Bei verdächtigen Knoten kann eine Gewebeprobe erforderlich werden. Nicht jeder Knoten braucht diese Untersuchungen.

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Beschwerden und Befunden. Manchmal reichen Verlaufskontrollen. Bei nachgewiesenem Bedarf können Jod oder Schilddrüsenhormone infrage kommen. Größere oder überaktive Veränderungen erfordern gelegentlich eine Radiojodbehandlung oder Operation. Das wird fachärztlich besprochen.

Was Sie selbst tun können

  • Verwenden Sie beim Kochen bevorzugt Jodsalz. Essen Sie deshalb aber nicht mehr Salz – ersetzen Sie lediglich das bisherige Salz.
  • Seefisch, Milchprodukte und Eier können zur Jodversorgung beitragen. Bei Pflanzendrinks lohnt sich ein Blick darauf, ob Jod zugesetzt ist.
  • Nehmen Sie Jodtabletten nicht auf eigene Faust ein. Besonders bei überaktiven Knoten kann zusätzliches Jod eine Überfunktion auslösen.
  • Meiden Sie hoch dosierte Algen- oder Kelp-Präparate. Ihr Jodgehalt kann sehr hoch sein und stark schwanken.
  • Besprechen Sie bei Kinderwunsch, Schwangerschaft, Stillzeit oder veganer Ernährung, ob eine Ergänzung sinnvoll ist. Bestehende Schilddrüsenerkrankungen müssen dabei berücksichtigt werden.

Zusammenfassung

Eine vergrößerte Schilddrüse lässt sich häufig gut behandeln. Entscheidend ist, die Ursache zu klären, statt vorsorglich Jod einzunehmen. Wenn Sie eine Verdickung am Hals oder anhaltende Beschwerden bemerken, sprechen Sie uns an.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

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