Gesundheit
Quälender Juckreiz: Haut, Leber, Niere und mehr
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 4 Min. Lesezeit

Es juckt, Sie kratzen – und kurz darauf beginnt alles von vorn. Besonders nachts kann Juckreiz zermürbend sein und den Schlaf rauben. Oft steckt trockene Haut dahinter, manchmal aber auch eine Erkrankung, die zunächst nicht sichtbar ist. Deshalb lohnt es sich, anhaltenden Beschwerden auf den Grund zu gehen.
Woher Juckreiz kommen kann
Gerade im höheren Alter wird die Haut trockener. Ihre schützende Barriere lässt nach, Feuchtigkeit geht leichter verloren. Heißes Duschen, trockene Heizungsluft und stark reinigende Seifen verstärken das Problem.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Nesselsucht
- Kontaktreaktionen, etwa auf Duftstoffe, Kosmetik oder Metalle
- Krätze: winzige Milben in der Haut, oft mit starkem nächtlichem Juckreiz; häufig jucken sich auch enge Kontaktpersonen
- Medikamente, die Juckreiz mit oder ohne Ausschlag auslösen können
- Erkrankungen der Leber oder Gallenwege, besonders wenn der Abfluss der Galle gestört ist
- eine fortgeschrittene Nierenerkrankung
- Störungen der Schilddrüse, Diabetes oder Eisenmangel
Seltener stecken Erkrankungen des Blutes oder der Lymphknoten dahinter. Auch gereizte Nerven können örtlich begrenztes Jucken verursachen. Stress kann die Beschwerden verstärken – das bedeutet nicht, dass sie eingebildet sind.
Welche Beschwerden wichtig sind
Juckreiz kann einzelne Stellen betreffen oder den ganzen Körper. Er kann mit Rötungen, Schuppen, Quaddeln oder Bläschen auftreten. Manchmal sieht die Haut zunächst völlig normal aus. Kratzspuren entstehen dann erst als Folge, nicht als Ursache.
Bestehen die Beschwerden länger als sechs Wochen, sprechen wir von chronischem Juckreiz. Sie müssen aber nicht so lange warten: Wenn der Schlaf leidet, Sie sich wund kratzen oder der ganze Körper ohne erkennbaren Anlass juckt, vereinbaren Sie bitte einen Termin.
Achten Sie auch auf Begleitzeichen. Ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß oder vergrößerte Lymphknoten sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
- Rufen Sie 112, wenn plötzlich Juckreiz oder Quaddeln zusammen mit Atemnot, einer Schwellung von Zunge oder Rachen oder Kreislaufproblemen auftreten. Das kann eine schwere allergische Reaktion sein.
- Lassen Sie eine neue Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklen Urin oder auffallend hellen Stuhl noch am selben Tag ärztlich beurteilen.
- Auch ein schmerzhafter Ausschlag mit Blasen, offenen Schleimhäuten oder Fieber braucht dringend ärztliche Hilfe – besonders nach Beginn eines neuen Medikaments.
Ist unsere Praxis nicht erreichbar und können die Beschwerden nicht bis zum nächsten regulären Termin warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei schweren oder rasch zunehmenden Beschwerden wählen Sie 112.
Was wir in der Praxis tun
Wir fragen nach Beginn, betroffenen Körperstellen, Hautpflege und neuen Medikamenten. Wichtig ist auch, ob andere Menschen in Ihrem Haushalt ähnliche Beschwerden haben. Bringen Sie bitte eine vollständige Medikamentenliste mit – einschließlich frei verkäuflicher Mittel und Nahrungsergänzungen.
Anschließend untersuchen wir Ihre Haut und achten auf Hinweise auf innere Erkrankungen. Je nach Befund sind Blutuntersuchungen sinnvoll, etwa Blutbild, Eisenstatus, Blutzucker sowie Schilddrüsen-, Leber- und Nierenwerte. Nicht jede Untersuchung ist bei jedem Menschen nötig.
Mehr dazu lesen Sie unter Laborwerte erklärt – Leberwerte (GOT, GPT, GGT) und Laborwerte erklärt – Nierenwerte (Kreatinin, eGFR). Bei Bedarf ergänzen wir einen Bauchultraschall oder überweisen zur hautärztlichen beziehungsweise fachärztlichen Abklärung.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Allergietabletten helfen vor allem bei Nesselsucht, aber nicht zuverlässig bei jeder Form von Juckreiz. Manche machen müde und erhöhen gerade bei älteren Menschen das Sturzrisiko. Bitte nehmen Sie solche Mittel nicht dauerhaft auf eigene Faust.
Was Sie selbst tun können
- Cremen Sie die Haut täglich mit einer rückfettenden, möglichst duftstofffreien Pflege ein, besonders nach dem Waschen.
- Duschen Sie kurz und lauwarm. Verwenden Sie milde Reinigungsprodukte sparsam.
- Kühlen Sie juckende Stellen mit einem feuchten Tuch. Eis gehört nicht direkt auf die Haut.
- Tragen Sie weiche, luftige Kleidung. Wolle und enge Kleidung können zusätzlich reizen.
- Halten Sie die Fingernägel kurz. Sanftes Drücken statt Kratzen schont die Haut.
- Notieren Sie, wann das Jucken auftritt und was es verstärkt. Fotos eines vorübergehenden Ausschlags können bei der Untersuchung helfen.
Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab. Besprechen Sie einen möglichen Zusammenhang mit uns.
Zusammenfassung
Juckreiz ist häufig und oft gut behandelbar. Trockene Haut ist eine typische Ursache, doch auch Medikamente oder innere Erkrankungen kommen infrage. Wenn die Beschwerden anhalten, Ihren Schlaf stören oder Warnzeichen dazukommen, lassen Sie sie abklären. Gemeinsam suchen wir nach der Ursache und einer passenden Linderung.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.