Gesundheit
Koronare Herzkrankheit (KHK): Engstellen am Herzen
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Das Herz arbeitet Tag und Nacht und braucht dafür eine gute Blutversorgung. Wird diese durch verengte Gefäße eingeschränkt, spricht man von einer koronaren Herzkrankheit, kurz KHK. Sie entwickelt sich oft über Jahre unbemerkt. Eine frühzeitige Behandlung kann Beschwerden lindern und das Risiko für einen Herzinfarkt senken.
Wie Engstellen am Herzen entstehen
Die Herzkranzgefäße liegen wie ein Netz um das Herz. Sie versorgen den Herzmuskel mit Sauerstoff. In ihren Wänden können sich Blutfette, Entzündungszellen und Kalk ablagern. Diese Gefäßveränderung heißt Arteriosklerose.
Durch die Engstellen reicht die Blutversorgung zunächst meist nur bei Anstrengung nicht mehr aus. Reißt eine Ablagerung auf, kann sich ein Blutgerinnsel bilden und das Gefäß verschließen. Dann droht ein Herzinfarkt.
Besonders begünstigt wird eine KHK durch:
- Rauchen
- hohen Blutdruck und erhöhte LDL-Cholesterinwerte
- Diabetes mellitus
- wenig Bewegung und starkes Übergewicht
- höheres Alter und Herzinfarkte in jungen Jahren bei nahen Angehörigen
Mehr zum Einfluss der Blutfette lesen Sie unter Laborwerte erklärt – Cholesterin und Blutfette. Auch wenn sich Alter und Veranlagung nicht ändern lassen: Andere Risiken können Sie wirksam beeinflussen.
Welche Beschwerden typisch sind
Ein Druck, eine Enge oder ein Brennen hinter dem Brustbein kann auf eine KHK hinweisen. Fachleute nennen das Angina pectoris, übersetzt „Brustenge“. Die Beschwerden können in Arme, Schultern, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen.
Typisch ist, dass sie beim Treppensteigen, schnellen Gehen, bei Kälte oder seelischer Belastung auftreten und in Ruhe nachlassen. Manchmal steht Luftnot im Vordergrund. Auch eine nachlassende Belastbarkeit kann ein Hinweis sein.
Gerade ältere Menschen und Menschen mit Diabetes haben mitunter wenig oder keine Brustschmerzen. Bei Frauen können Atemnot, Übelkeit oder ungewöhnliche Erschöpfung stärker auffallen. Neu auftretende Beschwerden sollten Sie zeitnah abklären lassen – auch wenn sie wieder verschwinden.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Rufen Sie 112, wenn starke oder neuartige Brustbeschwerden auftreten, besonders wenn sie länger als fünf Minuten anhalten, in Ruhe beginnen oder deutlich stärker sind als sonst. Warten Sie bei heftigen Beschwerden nicht erst ab. Warnzeichen sind außerdem:
- Atemnot, kalter Schweiß oder auffallende Blässe
- Übelkeit oder Erbrechen zusammen mit Brustdruck
- plötzliche starke Schwäche, Kollaps oder Bewusstlosigkeit
Fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus. Setzen Sie sich möglichst ruhig hin und lassen Sie sich nicht allein. Ein verordnetes Notfallspray verwenden Sie wie besprochen; es ersetzt den Notruf nicht.
Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten hilft 116 117. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt ist immer 112 richtig. Weitere Hinweise finden Sie unter Herzinfarkt bei Frauen: Warum die Warnzeichen oft anders sind.
Was wir in der Praxis tun
Wir besprechen, wann Ihre Beschwerden auftreten, wie lange sie dauern und welche Vorerkrankungen vorliegen. Dazu kommen die körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung und ein Ruhe-EKG. Wichtig: Ein unauffälliges Ruhe-EKG schließt eine KHK nicht aus.
Blutuntersuchungen helfen, etwa Blutfette, Blutzucker und Nierenfunktion einzuschätzen. Bei begründetem Verdacht organisieren wir eine kardiologische Abklärung. Je nach Situation kommen dort eine Computertomografie der Herzkranzgefäße oder andere bildgebende Untersuchungen infrage. Nicht jeder Verdacht erfordert sofort einen Herzkatheter.
Zur Behandlung gehören meist cholesterinsenkende Medikamente. Bei gesicherter KHK sind häufig auch Medikamente sinnvoll, die das Verklumpen der Blutplättchen hemmen. Weitere Mittel lindern die Brustenge. Wir stimmen die Behandlung auf Ihre Befunde und mögliche Nebenwirkungen ab. Bitte beginnen Sie insbesondere ASS nicht auf eigene Faust.
Bei bestimmten Engstellen oder anhaltenden Beschwerden können ein Stent – eine kleine Gefäßstütze – oder eine Bypassoperation nötig sein. Medikamente und ein herzgesunder Alltag bleiben trotzdem wichtig.
Was Sie selbst tun können
- Verzichten Sie auf Tabak. Wir unterstützen Sie beim Rauchstopp.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, angepasst an Ihre Belastbarkeit. Besprechen Sie bei bekannter KHK zunächst, was sicher ist; eine Herzsportgruppe kann helfen.
- Essen Sie viel Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und begrenzen Sie stark verarbeitete Lebensmittel.
- Nehmen Sie verordnete Medikamente zuverlässig ein und setzen Sie diese nicht eigenständig ab.
- Lassen Sie Blutdruck, Blutfette und gegebenenfalls Diabetes regelmäßig kontrollieren.
Zusammenfassung
Eine KHK ist gut behandelbar, sollte aber ernst genommen werden. Wer Beschwerden früh abklären lässt und Risikofaktoren angeht, schützt sein Herz. Bei neuen, starken oder anhaltenden Brustbeschwerden gilt: lieber sofort 112 wählen als abwarten.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.