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Gesundheit

Panikattacken und Herzangst: wenn das Herz rast

Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Eine sitzende Person beruhigt ihre Atmung, während zwei kreisförmige Detailansichten Herzklopfen und ruhiges Ausatmen veranschaulichen.

Plötzlich rast das Herz, die Brust fühlt sich eng an, und der Gedanke ist da: Ist das ein Herzinfarkt? Eine Panikattacke kann sich genauso bedrohlich anfühlen wie eine körperliche Erkrankung. Die Beschwerden sind echt und nicht eingebildet. Deshalb schauen wir zunächst, ob eine körperliche Ursache dahintersteckt – und nehmen auch die Angst ernst.

Wie Angst das Herz beschleunigt

Bei Angst schaltet der Körper auf Alarm. Stresshormone wie Adrenalin lassen das Herz schneller schlagen, die Muskeln spannen sich an, und die Atmung wird schneller. Wer dabei zu viel atmet, kann zusätzlich Schwindel oder Kribbeln bemerken. Diese Empfindungen verstärken oft die Angst: Ein Kreislauf entsteht.

Panikattacken können bei Belastung auftreten, aber auch ohne erkennbaren Anlass oder aus dem Schlaf heraus. Schlafmangel, viel Koffein, Nikotin und andere anregende Substanzen können sie begünstigen. Eine einzelne Attacke bedeutet noch nicht, dass eine Panikstörung vorliegt.

Bei Herzangst kreisen die Gedanken immer wieder um eine vermeintliche Herzkrankheit. Betroffene kontrollieren häufig ihren Puls, meiden Anstrengung oder suchen wiederholt Rückversicherung. Das beruhigt meist nur kurz und kann die Angst langfristig aufrechterhalten.

Welche Beschwerden typisch sind

Eine Panikattacke beginnt meist plötzlich und erreicht innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt. Häufig sind:

  • Herzrasen, Herzklopfen oder das Gefühl von Herzstolpern
  • Druck oder Enge in der Brust, Luftnot
  • Schwitzen, Zittern, Hitzewallungen oder Frösteln
  • Schwindel, Übelkeit, Kribbeln an Händen oder um den Mund
  • Angst zu sterben, ohnmächtig zu werden oder die Kontrolle zu verlieren

Oft klingen die stärksten Beschwerden nach einigen Minuten ab. Erschöpfung und Unruhe können länger bleiben. An den Beschwerden allein lässt sich eine Panikattacke jedoch nicht sicher von einer Herzerkrankung unterscheiden. Auch Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern: Wenn das Herz aus dem Takt gerät können Herzrasen verursachen.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Rufen Sie 112, wenn neue oder starke Brustschmerzen, ausgeprägter Druck auf der Brust, schwere Atemnot, Ohnmacht oder kalter Schweiß auftreten. Das gilt besonders, wenn Schmerzen in Arm, Rücken, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen. Fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus.

Auch bei bereits bekannten Panikattacken gilt: Neue, deutlich stärkere oder andersartige Beschwerden dürfen nicht einfach als Angst eingeordnet werden. Im Zweifel wählen Sie bei möglichen Herzinfarktzeichen die 112.

Neu aufgetretenes oder anhaltendes Herzrasen ohne solche Warnzeichen sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Wenn die Beschwerden nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, aber kein Notfall vorliegt, hilft außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117.

Was wir in der Praxis tun

Wir fragen nach Beginn, Dauer und Auslösern der Beschwerden. Wichtig sind auch Vorerkrankungen, Medikamente, Koffeinkonsum und Ihre aktuelle Belastung. Danach folgen eine körperliche Untersuchung und je nach Situation ein Ruhe-EKG. Bei anfallsartigen Beschwerden kann ein Langzeit-EKG sinnvoll sein. Mehr dazu lesen Sie unter EKG erklärt: Ruhe-EKG und Langzeit-EKG.

Gezielte Blutuntersuchungen können beispielsweise Hinweise auf Blutarmut, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Störungen der Blutsalze geben. Bei Bedarf veranlassen wir weitere fachärztliche Untersuchungen. Ein unauffälliges Ruhe-EKG allein schließt nicht jede Herzerkrankung aus.

Wenn Angst die Beschwerden erklärt, besprechen wir einen Behandlungsplan. Besonders gut untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernen Sie, Körpersignale weniger bedrohlich einzuordnen und vermiedene Situationen schrittweise wieder aufzusuchen. Bei häufigen oder belastenden Attacken können zusätzlich bestimmte Antidepressiva helfen. Beruhigungsmittel sind wegen möglicher Abhängigkeit keine Dauerlösung.

Was Sie selbst tun können

Diese Schritte helfen bei einer bekannten, ärztlich abgeklärten Panikattacke:

  • Setzen Sie sich sicher hin und spüren Sie bewusst den Boden unter den Füßen.
  • Atmen Sie ruhig und ohne Zwang. Lassen Sie die Ausatmung etwas länger werden. Vermeiden Sie hastiges, besonders tiefes Atmen und atmen Sie nicht in eine Tüte.
  • Lenken Sie die Aufmerksamkeit nach außen: Was sehen, hören und fühlen Sie gerade?
  • Erinnern Sie sich: „Mein Körper ist im Alarmzustand. Die Welle geht vorüber.“

Langfristig helfen regelmäßiger Schlaf, weniger Koffein und Bewegung nach ärztlicher Rücksprache. Versuchen Sie, ständiges Pulsmessen und Nachlesen von Symptomen schrittweise zu reduzieren. Suchen Sie Unterstützung, wenn die Angst Ihren Alltag einschränkt.

Zusammenfassung

Panikattacken können heftige körperliche Beschwerden auslösen. Zuerst gilt es, gefährliche Ursachen zu erkennen. Ist die Angst der Auslöser, gibt es wirksame Hilfe – Sie müssen damit nicht allein zurechtkommen.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

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