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Gesundheit

Reisedurchfall und seltene Darmerreger wie Yersinien

Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 4 Min. Lesezeit

Eine Illustration zeigt eine ältere Reisende beim Trinken einer Elektrolytlösung sowie zwei Detailausschnitte mit Darmbakterien und gründlichem Händewaschen.

Der Urlaub soll Erholung bringen – doch manchmal meldet sich zuerst der Darm. Reisedurchfall ist häufig und klingt meist nach wenigen Tagen wieder ab. Wichtig ist, verlorene Flüssigkeit und Salze zu ersetzen und Warnzeichen ernst zu nehmen. Wenn Beschwerden länger anhalten oder ungewöhnlich stark sind, können auch seltenere Darmerreger dahinterstecken.

Woher Reisedurchfall kommt

Meist gelangen Erreger über verunreinigtes Essen oder Trinkwasser in den Körper. Häufig sind Bakterien die Ursache, etwa bestimmte Kolibakterien oder Campylobacter. Auch Viren und Parasiten kommen infrage. Parasiten wie Giardia können besonders bei länger anhaltendem Durchfall eine Rolle spielen.

Nicht jeder weiche Stuhl auf Reisen ist eine Infektion. Ungewohntes Essen, Alkohol oder Aufregung können die Verdauung ebenfalls verändern. Als Durchfall gelten meist mindestens drei sehr weiche oder flüssige Stühle innerhalb von 24 Stunden.

Yersinien: nicht nur ein Reisemitbringsel

Yersinien sind Bakterien, die auch in Deutschland vorkommen. Eine Ansteckung ist vor allem durch rohes oder nicht ausreichend erhitztes Schweinefleisch möglich, etwa Mett. Auch Rohmilch und verunreinigtes Wasser können eine Quelle sein. Selbst im Kühlschrank können sich Yersinien vermehren.

Die Beschwerden beginnen oft erst einige Tage nach der Ansteckung. Neben Durchfall und Fieber sind Schmerzen im rechten Unterbauch typisch. Sie können einer Blinddarmentzündung ähneln und sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden. Gelegentlich treten Wochen nach der Infektion Gelenkentzündungen oder schmerzhafte rote Hautknoten auf. Auch damit sollten Sie sich bei uns melden.

Welche Beschwerden auftreten können

Typisch sind wässrige Stühle, Bauchkrämpfe, Übelkeit und manchmal Erbrechen. Fieber oder Blut im Stuhl sprechen dafür, genauer hinzuschauen.

Die größte unmittelbare Gefahr ist der Verlust von Flüssigkeit und Salzen. Achten Sie auf:

  • starken Durst und einen trockenen Mund
  • deutlich weniger oder sehr dunklen Urin
  • Schwindel beim Aufstehen und ausgeprägte Schwäche
  • ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Verwirrtheit

Ältere Menschen spüren Durst oft weniger deutlich. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen muss die Trinkmenge manchmal individuell abgestimmt werden.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Rufen Sie 112, wenn Bewusstlosigkeit, deutliche Verwirrtheit, ein Kreislaufzusammenbruch oder Zeichen eines Schocks auftreten, etwa kaltschweißige Haut und schwere Schwäche.

Blut im Stuhl, hohes Fieber, starke oder zunehmende Bauchschmerzen und anhaltendes Erbrechen müssen noch am selben Tag ärztlich beurteilt werden. Das gilt auch, wenn Sie kaum trinken können oder kaum noch Wasser lassen. Außerhalb der Praxis erreichen Sie in Deutschland bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Im Ausland nutzen Sie die örtlichen Hilfsangebote.

Bei älteren, gebrechlichen oder immungeschwächten Menschen ist eine frühzeitige Abklärung sinnvoll. Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet muss umgehend ärztlich abgeklärt werden – auch wenn gleichzeitig Durchfall besteht.

Was wir in der Praxis tun

Wir fragen nach Reiseziel, Beginn und Verlauf der Beschwerden, auffälligen Mahlzeiten und eingenommenen Medikamenten. Wichtig ist auch, ob Sie kürzlich Antibiotika bekommen haben. Anschließend untersuchen wir Bauch und Kreislauf.

Bei unkompliziertem, kurzem Reisedurchfall ist meist keine Erregerbestimmung nötig. Bei blutigem oder schwerem Durchfall, Risikofaktoren oder anhaltenden Beschwerden kann eine Stuhluntersuchung sinnvoll sein. Besteht Verdacht auf Yersinien, geben wir diesen gezielt an das Labor weiter. Bei längerem Verlauf prüfen wir auch auf Parasiten. Eine Blutabnahme kann helfen, Flüssigkeitsverlust, Nierenfunktion und den Salzhaushalt einzuschätzen.

Antibiotika sind nicht automatisch nötig. Auch eine unkomplizierte Yersinieninfektion heilt meist ohne sie ab. Bei schweren Verläufen oder besonderen Risiken entscheiden wir gezielt über die Behandlung.

Was Sie selbst tun können

  • Trinken Sie häufig kleine Mengen. Bei stärkeren Verlusten eignet sich eine Elektrolytlösung aus der Apotheke. Mischen Sie diese genau nach Packungsanleitung mit sicherem Trinkwasser.
  • Essen Sie nach Appetit, zum Beispiel Suppe, Reis, Kartoffeln oder Brot. Fasten ist nicht nötig. Cola und Salzstangen ersetzen keine ausgewogene Elektrolytlösung.
  • Durchfallbremsende Mittel wie Loperamid kommen bei Erwachsenen höchstens kurzzeitig infrage. Bei Fieber, Blut im Stuhl oder starken Bauchschmerzen sollten Sie darauf verzichten und ärztlichen Rat suchen.
  • Waschen Sie die Hände gründlich mit Seife. Bereiten Sie während der Erkrankung möglichst kein Essen für andere zu.
  • Bevorzugen Sie auf Reisen frisch durchgegarte Speisen und selbst geschältes Obst. Meiden Sie unsicheres Leitungswasser, Eiswürfel und rohe tierische Lebensmittel.

Weitere Hinweise finden Sie unter Magen-Darm-Infekt: Durchfall und Erbrechen – was hilft, wann zum Arzt und Die Reiseapotheke: Was wirklich hineingehört.

Zusammenfassung

Reisedurchfall ist meist vorübergehend. Flüssigkeit und Salze helfen dem Körper, sich zu erholen. Bei Warnzeichen oder anhaltenden Beschwerden suchen wir gezielt nach der Ursache – auch nach selteneren Erregern wie Yersinien.

Bleiben Sie gesund,

Ihre Dr. Kathrin Hamann

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

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