Gesundheit
Wechseljahre aus hausärztlicher Sicht
Autorin: Dr. med. Kathrin HamannVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: Keine spätere Aktualisierung dokumentiert 3 Min. Lesezeit

Manche Frauen bemerken die Wechseljahre kaum. Andere schlafen schlecht, bekommen Hitzewallungen oder fühlen sich plötzlich nicht mehr wie sie selbst. Diese Lebensphase ist keine Krankheit – Beschwerden müssen Sie trotzdem nicht einfach hinnehmen. Gemeinsam schauen wir, was Ihnen hilft und wann eine andere Ursache dahinterstecken könnte.
Was sich im Körper verändert
In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion allmählich um. Vor allem Östrogen und Progesteron, die den Monatszyklus steuern, schwanken und nehmen schließlich ab. Die Blutungen werden häufig unregelmäßig, bevor sie ganz ausbleiben.
Die letzte Regelblutung heißt Menopause. Sie lässt sich erst rückblickend feststellen: wenn zwölf Monate lang keine natürliche Monatsblutung mehr aufgetreten ist. Meist geschieht das zwischen 45 und 55 Jahren. Die Umstellung beginnt oft einige Jahre vorher und kann sich über längere Zeit hinziehen.
Bleibt die Periode bereits vor dem 45. Lebensjahr aus, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Vor dem 40. Lebensjahr ist eine frühzeitige Abklärung besonders wichtig, auch zum Schutz der Knochen.
Welche Beschwerden auftreten können
Nicht jede Frau hat dieselben Beschwerden. Typisch sind:
- Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen
- Ein- oder Durchschlafprobleme, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Ängstlichkeit
- trockene Scheidenschleimhaut, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und häufigere Harnwegsinfekte
- Veränderungen des sexuellen Verlangens
- gelegentlich Herzklopfen sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden
Nicht alles, was in dieser Lebensphase auftritt, kommt von den Hormonen. Auch eine Schilddrüsenstörung, Eisenmangel, eine Depression oder eine Herzrhythmusstörung kann ähnliche Beschwerden machen. Gerade neue oder ausgeprägte Symptome sollten wir deshalb genauer anschauen.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Bei Brustschmerz, starker Atemnot, Ohnmacht oder plötzlich auftretenden Lähmungen und Sprachstörungen wählen Sie 112. Schreiben Sie solche Beschwerden nicht den Wechseljahren zu.
Sehr starke Blutungen mit Schwindel oder Kreislaufproblemen brauchen ebenfalls rasche Hilfe; bei ausgeprägter Schwäche oder Kollaps über 112. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Praxis-Erreichbarkeit hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117.
Wichtig: Jede erneute Blutung nach zwölf Monaten ohne natürliche Regelblutung sollte zeitnah frauenärztlich untersucht werden – auch eine leichte Schmierblutung. Ebenso gehören ungewöhnlich starke oder lang anhaltende Blutungen abgeklärt.
Was wir in der Praxis tun
Wir fragen nach Ihrem Zyklus, Ihren Beschwerden, Medikamenten und Vorerkrankungen. Auch Schlaf, seelische Belastungen und Ihr Alltag sind wichtig. Ab etwa 45 Jahren lässt sich die hormonelle Umstellung bei typischen Beschwerden meist ohne Hormonmessung erkennen. Einzelne Hormonwerte schwanken stark und helfen dann oft wenig.
Je nach Beschwerden sind gezielte Blutuntersuchungen sinnvoll, etwa auf Blutarmut oder eine Schilddrüsenstörung. Bei Herzklopfen kann ein Ruhe-EKG oder gegebenenfalls ein Langzeit-EKG weiterhelfen. Wir prüfen außerdem Blutdruck und persönliche Risiken und stimmen die weitere Behandlung bei Bedarf mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt ab.
Welche Behandlung helfen kann
Bei belastenden Hitzewallungen ist eine Behandlung mit Hormonen besonders wirksam. Ob sie infrage kommt, hängt von Ihren Beschwerden, Ihrem Alter und Ihren persönlichen Risiken ab. Bei vorhandener Gebärmutter muss eine im ganzen Körper wirkende Östrogenbehandlung in der Regel durch ein Gestagen ergänzt werden, das die Gebärmutterschleimhaut schützt.
Frühere Thrombosen, bestimmte Krebserkrankungen sowie Herz-, Gefäß- oder Lebererkrankungen sind wichtige Gründe für eine besonders sorgfältige Prüfung. Nutzen und Risiken besprechen wir individuell; die Behandlung wird regelmäßig überprüft. Hormone sind kein allgemeines Mittel gegen das Älterwerden.
Bei Scheidentrockenheit helfen oft Feuchtigkeitspräparate und Gleitmittel. Örtlich angewendetes Östrogen kann ebenfalls sinnvoll sein. Wenn Hormone nicht gewünscht oder nicht geeignet sind, gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten. Pflanzliche Mittel sind nicht automatisch harmlos; ihre Wirkung ist oft unzureichend belegt.
Was Sie selbst tun können
- Bewegen Sie sich regelmäßig. Krafttraining und Spaziergänge unterstützen Knochen, Kreislauf und Stimmung.
- Essen Sie ausgewogen und achten Sie auf kalziumreiche Lebensmittel. Mehr dazu unter Osteoporose: Knochen stark halten, Brüche vermeiden.
- Tragen Sie mehrere leichte Kleidungsschichten und halten Sie das Schlafzimmer eher kühl.
- Beobachten Sie, ob Alkohol, heiße Getränke oder scharfes Essen Ihre Hitzewallungen verstärken.
- Pflegen Sie regelmäßige Schlafzeiten. Weitere Anregungen finden Sie unter Schlafstörungen: besser ein- und durchschlafen.
- Denken Sie an Verhütung: Während der Umstellung ist eine Schwangerschaft noch möglich. Eine Hormonbehandlung gegen Wechseljahresbeschwerden verhütet nicht.
Zusammenfassung
Wechseljahre verlaufen sehr unterschiedlich. Wenn Beschwerden Ihren Alltag beeinträchtigen, suchen wir gemeinsam nach einer passenden Behandlung. Neue Symptome und ungewöhnliche Blutungen sollten Sie nicht vorschnell auf die Hormone schieben.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Kathrin Hamann
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem Notfall wählen Sie 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.